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BURMA: LAND DER PAGODEN UND KLöSTER

ARTIKEL AUS DEN SALZBURGER NACHRICHTEN (28.09.2017)

 
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Bagan (C) Dirk Bleyer Shwedagon-Pagode (C) Dirk Bleyer Goldener Felsen (C) Elisabeth Kneissl-Neumayer Bagan (C) Dirk Bleyer Mandalay (C) Elisabeth Kneissl-Neumayer Kloster Thanbodday (C) Elisabeth Kneissl-Neumayer U-Bein-Brücke (C) Elisabeth Kneissl-Neumayer Einbeinruderer (C) Dirk Bleyer Einbeinruderer (C) Elisabeth Kneissl-Neumayer Mingun (C) Elisabeth Kneissl-Neumayer Inle-See (C) Elisabeth Kneissl-Neumayer Reisfelder (C) Dirk Bleyer
 
 

   Was wird sich alles verändert haben? Diese Frage stellt sich, als es nach 20 Jahren erneut nach Burma geht. Abgesehen von der damals katastrophalen politischen Situation war der Aufenthalt extrem beeindruckend. Schon vor der ersten Reise hat sich der Name des Landes geändert. Myanmar ist ein willkürlicher, von der Militärjunta 1989 eingeführter Name. Birma ist die deutsche Variante von Burma.

Der erste Gedanke nach der Landung um 5.30 Uhr in Yangon ist, den Sonnenaufgang nahe dem "goldenen Wunder" zu verbringen, wie Kipling die Shwedagon-Pagode nannte. Wer immer nach Burma reist, sollte diese Zeit des zarten Lichts unbedingt nutzen. Hunderte größere und kleinere Pagoden, überreich dekoriert, wirken wie ein großes Ensemble, dazu das gut 100 Meter hohe goldene Wunder der Shwedagon-Pagode. Tausende Menschen verrichten hier - auf ihrem Weg in die Arbeit - ihr Morgengebet. Nur eine Handvoll Touristen erlebt am frühen Morgen dieses Mysterium. Nachmittags - zum Fotografieren auch wunderschön - sieht das anders aus. Dann steht man inmitten einer Masse von Touristen.

Der erste Abstecher führt in östlicher Richtung über Pegu/Bago, die alte Hauptstadt der Mon mit ihren großartigen Pagoden und Klöstern (unbedingt sollte man die Shwemawdaw besuchen), zum Goldenen Felsen. Er ist eines der bedeutendsten Pilgerziele der einheimischen Bevölkerung. In Lkw zusammengepfercht geht es über die neue Betonstraße auf gut 1100 Meter Seehöhe, wo sich auf einer herausragenden Kuppe, scheinbar über dem Abgrund schwebend, die Kyaiktiyo-Pagode oder der Goldene Felsen erhebt. Der Legende nach halten nur zwei Haare von Buddha den Felsen im Gleichgewicht. Männer drängen sich darum, das Gold des Felsens noch schöner glänzen zu lassen. Frauen ist wie fast überall das Anbringen des Blattgolds untersagt.

Neben zahlreichen Pilgerherbergen gibt es eine Handvoll ordentlicher Hotels, um hier den Sonnenuntergang und den Sonnenaufgang zu erleben. Auch hier drängt und schiebt es sich am Nachmittag, am Morgen ist es einfach wunderschön. Entlang langer Mönchsreihen, welche die tägliche Mahlzeitspende erhalten, führt der Spaziergang zum Goldenen Felsen, um das Wunder zu erleben, wenn die Morgensonne mehr und mehr die Pagode erstrahlen lässt.

Bagan, nördlich von Yangon im Tal des Irrawaddy oder Ayeyarwady gelegen, ist das nächste Ziel. Neben Angkor und dem Borobudur zählt es zu den herausragendsten sakralen Baukomplexen in Südasien. Im 11. Jh. begann die Blütezeit der ersten Hauptstadt des vereinten Burma - und hielt gut 200 Jahre bis ins späte 13. Jh., bis Kublai Khan mit seiner Mongolenarmee die Stadt einnahm. In dieser so kurzen und so schaffensreichen Periode entstanden mehr als 2000 Pagoden, die keinesfalls nur einen Baustil vertreten, sondern extrem vielseitig sind. Neben den herausragenden Bauten der Shwezigon und der Anandha gibt es einige großartige Beispiele von Stuckornamenten auf den Pagoden, dann wieder herrliche Fresken im Inneren, in manchen Pagoden finden sich wunderschöne Buddha-Statuen, in anderen herrliche Reliefs. Jeder Besuch bietet einen neuen Eindruck dieser riesigen Tempelstadt, die sich in der trockenen Ebene des Irrawaddy in fast steppenartigem Gelände erstreckt. Dass für die vielen Touristen - und wer möchte nicht diesen herrlichen Ort sehen - auch eine entsprechende Infrastruktur vorhanden ist, dafür haben die letzten Jahre gesorgt.

Das einfachste Mittel der Fortbewegung in Burma ist der Inlandsflug. Manchmal ist einfach nicht gut genug, wie die Strecke Bagan - Mandalay beweist. Hier gilt: "Der Weg ist das Ziel." Mit einem typischen Irrawaddy-Schiff geht es nach Pakokku, das die Besucher mit neuen und alten Pagoden sowie einem prachtvollen alten Holzkloster, wie es nur mehr wenige im Land gibt, empfängt. Bleibt man in den Dörfern stehen, sieht man die Frauen beim Herstellen von Räucherstäbchen, beim Trocknen der Chilischoten, beim Flechten von Körben und anderen Tätigkeiten.

Nach der Überquerung des Chindwin, eines der wichtigsten Nebenflüsse des Irrawaddy, wird das noch selten besuchte Höhlenkloster von Powindaung mit herausragendem Fresken- und Skulpturschmuck erkundet. Jenseits des Chindwin ist Monywa Ausgangspunkt für weitere eher unbekannte Ziele, wie die Thanbodday-Pagode. Die gläubigen buddhistischen Besitzer haben ein Wunderwerk von schier endlosen Tempelhallen mit mehr als 500.000 Buddhas geschaffen, die den Besucher staunend zurücklassen.

Endpunkt dieser Überlandfahrt ist die Metropole des Nordens, Mandalay - burmesisch und doch schon von Chinesen beeinflusst, die schon lange die Gunst der Militärjunta genießen. Auch Mandalay hat sein goldenes Wunder: Die Mahamuni-Pagode mit einer der raren Darstellungen Buddhas ist das wichtigste buddhistische Pilgerziel im Norden. Tonnen von Gold haben gläubige Menschen auf die Statue geklebt - und sie damit bis zur Unkenntlichkeit verändert.

Neben goldenen Wundern lässt sich der Sonnenuntergang bei der längsten Teakbrücke der Erde, der U-Bein-Brücke, südlich von Mandalay bewundern. Perfektes Morgenlicht kann man in Mingun genießen, einer der Stätten, wo sich frühere Könige ein Denkmal setzen wollten. Hier war die größte Pagode der Welt geplant. Eindrucksvoll ist Sagaing, die Bildungseinrichtung westlich von Mandalay - Klöster über Klöster ziehen sich weit über Hügelketten und dienen der geistlichen Fortbildung für Zehntausende Mönche, Nonnen und Mönchsschüler.

Zu den unbedingten Must-visits zählt schließlich noch der Inle-See. Stelzendörfer, Einbeinruderer, schwimmende Felder und prachtvolle Shan-Pagoden machen den Reiz dieses herrlichen Sees aus. In Langschwanzbooten wird der See erkundet. Die kräftigen Rot- und Blautöne der Häuser spiegeln sich im See. Besucht werden können Schmiededörfer, Bootsbauer und Seidenfärber in ihren Werkstätten. Darüber hinaus faszinieren die Fischer mit ihren Reusen und Einbeinruderer.

Nach der Reise steht fest, was sich in den vergangenen 20 Jahren in Burma verändert hat. Die Infrastruktur ist deutlich besser, die Auswahl der Besichtigungen größer und die Ansätze zur Demokratie einen Schritt weiter.
Eines hat sich hingegen nicht verändert: Kiplings Aussage, es gebe kein Land wie dieses, kann noch immer vorbehaltlos zugestimmt werden.

Text: Elisabeth Kneissl-Neumayer, Geschäftsführerin Kneissl Touristik GmbH

 
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