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NAMIBIA: ETOSCHA

VON CHRISTIAN KNEISSL

 
Starte Diaschau
 

Bereits vor Ende des 19. Jahrhunderts waren im Bereich des heutigen Etoscha Nationalparks alle Elefanten abgeschossen. Um einer weiteren Dezimierung der Tierwelt entgegen zu wirken, erklärte im Jahre 1907 Gouverneur von Lindequist einen großen Teil im Norden des damaligen Deutsch Südwestafrika - bis zur Skelettküste - zum Naturschutzgebiet (93.240 qkm). Seit dieser Zeit wurde das Schutzgebiet mehrmals bis zu seiner heutigen Größe verkleinert. Der heute rund um die Etoscha-Pfanne gelegene Park hat eine Gesamtgröße von 22.270 qkm und ist das schönste und wildreichste Tierreservat Namibias.

Etoscha-Pfanne
‘Etoscha’ soll ‘großer weißer Platz’ bedeuten. In der Sprache der San (Buschmänner), Jäger und Sammler, die hier im Etoscha Schutzgebiet bis Mitte der 50er Jahre gelebt haben, bedeutet ‘e’ = groß und ‘thota’ = wegen des heißen Bodens von einem Fuß auf den anderen hüpfen. Die Owambos übersetzen Etoscha mit Ort des trockenen Wassers. Diese Umschreibungen treffen den Charakter dieser offenen, weiträumigen, trockenen und sehr heißen Landschaft sehr gut ! Die Etoscha-Pfanne, eine abflusslose, meist trockene, unbewachsene Salztonebene, ist bis zu 110 km lang und 60 km breit. Nur in Jahren mit sehr großen Niederschlagsmengen im Norden Namibias können die Flüsse Ekuma und Oshigambo die Pfanne für wenige Wochen überfluten. Die kleine ‘Fischer’s-Pan’ im Osten der Etoscha-Pfanne, welche vom Omuramba-Owambo-Fluss gespeist wird, steht den größten Teil des Jahres unter Wasser. Umgeben ist die Pfanne von offenem Buschland, einer Baumsavanne im Osten, die in eine Buschsavanne im Westen übergeht. Die Straßen im Nationalpark werden gut instand gehalten, sind aber nicht asphaltiert, sondern oft sehr staubig.

Niederschläge, Quellen und Wasserlöcher
Im Durchschnitt gibt es im Etoscha Nationalpark 42 Tage mit Regen von November bis April. Die meisten Regentage gibt es von Jänner bis März. Eine ganztägige Wolkendecke ist selten zu beobachten. Im Schnitt sind die Niederschlagsmengen im östlichen Teil des Nationalparks mit 500 mm höher als im im westlichen Teil mit ca. 400 mm. Vor allem am südlichen Rand der Etoscha-Pfanne gibt es viele Quellen, die in den trockenen Monaten Mai bis Oktober die Wildtiere anziehen. Man unterscheidet 3 verschiedene Arten von natürlichen Quellen: artesische Quellen, bei denen meist ein Schilfdickicht auf der Wasseroberfläche schwimmt; Grundwasserquellen im Westen des Parks, welche völlig austrocknen können, wenn der Grundwasserspiegel sinkt; und die Kontaktquellen, wo das in der Regenzeit im porösen Kalkgestein angesammelte Wasser auf dem undurchlässigen Tonboden ausfließt. Viele Wasserlöcher im Park sind aber künstlich angelegt worden und werden durch Grundwasserbrunnen gespeist, aus denen das Wasser durch Solarpumpen gefördert wird. Die interessantesten Wasserlöcher für Tierfotografen sind wegen der Beleuchtung am Morgen und beginnenden Vormittag Kalkheuwel sowie am Nachmittag bis zum Sonnenuntergang Klein-Okevi. Bei meinem vorletzten Aufenthalt im Park im Juli 2001 war ich von den Fotomöglichkeiten in Kalkheuwel begeistert - viele Tiere kamen zu einer offenen Wasserfläche und ließen sich aus ziemlicher Nähe gut fotografieren. Im Mai 2002 - die Niederschläge im Osten des Etoscha Nationalparks waren dieses Jahr nicht so ergiebig - gab es keine offene Wasserfläche und die Tiere mussten an der relativ kleinen Betonfassung der Quelle trinken.

Tierwelt
Von den klassischen ‚Big 5’ (der Großwildjäger) fehlt nur der Kaffernbüffel. Elefanten sind häufig, obwohl in manchen Jahren der Milzbrand seine Opfer unter den Dickhäutern fordert, Löwen kann man ebenfalls immer wieder an den Wasserlöchern beobachten. Das Spitzmaulnashorn sieht man nur sehr selten - östlich des Rastlagers Okaukuejo - und Leoparden wie überall in Afrika nur mit viel Glück. Im Juli 2001 hatte wieder einmal der Milzbrand zugeschlagen, im Park lagen einzelne (frische) Kadaver von Elefanten, die eine unheimliche Anziehungskraft auf die Löwen des Parks ausübten. Nach zwei Tagen zählten wir 12 Löwen neben dem Kadaver am Wasserloch Chudob. Es ist nicht bekannt, dass sich Löwen mit dem Erreger des Milzbrandes infizieren. Bei diesem Aufenthalt im Etoscha Nationalpark konnte ich am späten Nachmittag am Wasserloch Klein-Okevi eine junge Leopardin beim Trinken beobachten. Im Mai 2002 konnte ich einen männlichen Leoparden um 8.00 Uhr morgens am Wasserloch Kalkheuwel fotografieren. Vom typischen afrikanischen Großwild fehlt auch das Flusspferd, Affen und Krokodile kommen ebenfalls im Etoscha Nationalpark nicht vor. Springböcke sind die häufigsten Wildtiere, oft sieht man sie in großen Herden, so wie Zebras und Gnus auf ihrem täglichen Weg zu den Wasserlöchern oder wieder zurück. Schwarznasenimpalas kommen hier ebenso vor. Oryx-Antilopen sind häufig an den Wasserlöchern oder auch in der Pfanne zu sehen, Kuhantilopen, Kudus und Elenantilopen dagegen seltener. Giraffen sind im Osten des Nationalparks sehr häufig zu beobachten, meist in großen Gruppen. Hin und wieder begegnet man Schabrackenschakalen, Tüpfelhyänen sind eher selten zu sehen. Warzenschweine kommen ebenfalls zu den Wasserstellen, Erdhörnchen sind in manchen Gebieten besonders häufig, in anderen Teilen des Nationalparks sucht man sie vergebens. 340 Vogelarten wurden bisher im Nationalpark festgestellt. Nach ausgiebigen Regenfällen sammeln sich in der Fischer’s Pan zahlreiche Wasser- und Watvögel, darunter auch tausende Flamingos und Zwergflamingos. Im Reptilienzoo, der sich auf dem Gelände der Mokuti Lodge befindet und für Afrika einen unüblich hohen Standard aufweist, kann man in Namibia vertretene Warane, Schildkröten und Schlangen, aber auch Krokodile in großen Freilandterrarien sehen. Bei Wildbeobachtungsfahrten im Nationalpark sind Reptilien, mit Ausnahme von Schildkröten, meist nicht zu erblicken. Trotz der gewaltigen Größe des Parks ist der Lebensraum für die Großtiere durch die Anzahl der Quellen und künstlichen Wasserstellen begrenzt. Insbesondere Löwen mit ihren großen Territorien überwinden manchmal die Zäune, die den Nationalpark begrenzen und werden dann auf dem Farmland im Süden des Parks abgeschossen. So werden auch immer wieder Löwen aus dem Park weggefangen, um damit in anderen Naturreservaten des südlichen Afrika (wie z. Bsp. im Hluhluwe Reservat in Kwazulu Natal/Südafrika) neue gesunde Populationen zu entwickeln. Im Gegensatz zu den Löwen des Krüger Nationalparks sind die Löwen des Etoscha Nationalparks nicht an TBC erkrankt. Der Preis für beide afrikanische Nashornarten ist in den letzten Jahren steil angestiegen, sodass die Verwaltung des Nationalparks immer wieder versucht, einige Spitzmaulnashörner des Etoscha Nationalparks wegzufangen und zu Geld zu machen, um damit das Budget für die Schutzgebiete Namibias abzusichern. Wegen der hohen Preise blieben die ‘Schwarzen Nashörner’ jedoch meist unverkauft.

Mokuti Lodge
Eingänge zum Nationalpark gibt es im Süden (Anderssons Gate), im Osten (Von Lindequist Gate) und nun auch im Norden (King Nehale Gate). Man kann im Etoscha Nationalpark in den staatlichen Unterkünften Okaukuejo, Halali und Namutoni oder außerhalb in privaten Lodges übernachten. Die staatlichen Unterkünfte sind einfacher ausgestattet als die privaten Lodges außerhalb des Nationalparks. Teilnehmer unserer Rundreisen ‘Große Namibia Rundreise’ und ‘Höhepunkte Namibias’ übernachten seit vielen Jahren mit großer Zufriedenheit in der Mokuti Lodge am Ostrand des Etoscha Nationalparks (direkt neben dem Von Lindequist Gate). Auch die Teilnehmer unserer neuen ‘Namibia’ und der Reise ‘Die schönsten Naturreservate im südlichen Afrika’ werden in dieser komfortablen Lodge inmitten eines kleinen Wildparks mit Giraffen und Bonteböcken übernachten. Das Empfangs- (=Haupt-)Gebäude der 4-Sterne-Lodge mit 2 Restaurants und Bar ist großzügig dimensioniert. Das Buffetfrühstück lässt keine Wünsche offen, das Abendessen wird ebenfalls meist als Buffet angerichtet. Die großen Zimmer sind funktionell eingerichtet und verfügen über Klimaanlage und Moskitonetze. Das im Innenhof angelegte Swimmingpool lädt im südafrikanischen Sommer zu einer Abkühlung in den heißen Mittagsstunden ein.Wenige Kilometer innerhalb der Parkgrenzen liegt das Rastlager Namutoni, das in einem Fort aus dem Jahr 1903 der ehemaligen deutschen Schutztruppe untergebracht ist. Die Mokuti Lodge ist ca. 6 Autostunden (auf guten Straßen) von Windhoek, der Hauptstadt Namibias, entfernt.

 
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