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JAKOBSWEG

VON MAG. LEO NEUMAYER

 
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Sie können sich sicher vorstellen, 10 Kilometer zu Fuß zu gehen. Vielleicht sogar eine Fuß - Wallfahrt zu machen, nach Mariazell zum Beispiel, vielleicht haben Sie das schon getan.
Aber können Sie sich vorstellen, 25 – 35 Kilometer zu gehen - Tag für Tag, viele Tage, vielleicht 30 – 40 Tage lang? Tausende Menschen jeden Alters und jeder Herkunft tun genau das aber seit Jahrhunderten, auch heute – in den letzten Jahren sogar verstärkt. Sie gehen den Jakobsweg.

Erste Kulturstraße Europas
Das ist ein alter Pilgerweg nach Santiago de Compostela im äußersten Nordwesten Spaniens. Der Weg ist so bedeutend, dass der Europarat in Straßburg diesen „camino de Santiago“ zur 1. Kulturstraße Europas ernannte. Santiago heißt Jakobus (der Ältere), sein Grab befindet sich (angeblich) im Nordwesten Spaniens, in Santiago eben. Seit dem 9. Jahrhundert gehen Menschen zum Heiligen Jakobus auf Pilgerschaft. Menschen aus aller Herren Länder, unterschiedlichster Herkunft, aus allen sozialen Schichten

Europa ist auf dem Weg nach Santiago entstanden
Die Beweggründen sind unterschiedlich: die eigentliche Pilgerschaft das Erkunden der eigenen Fähigkeiten und Grenzen die Erfüllung eines Gelübdes Manche sind auch aus rein sportlichen Gründen unterwegs oder weil sie - esoterisch angehaucht, Orte und Wege der Kraft suchen. Gemeinsam aber ist ihnen das Ziel: Santiago, die Kirche, das Grab des Hl. Jakobus. Und dieses Ziel verband und verbindet Menschen aus ganz Europa (und darüber hinaus). So bedeutend war dieser Weg, dass J. W. von Goethe behauptete: Europa ist auf dem Weg nach Santiago entstanden. Und Johannes Paul II. sagte bei seinem Besuch : Von Santiago aus rufe ich dir, altes Europa zu: Werde dir deiner Wurzeln bewusst. Finde wieder zu dir selbst! Dieser Weg führt aus ganz Europa durch Frankreich nach Spanien, ein ganzes Wegenetz durchzieht Europa.

Ein Eldorado für Kultur- und Kunstinteressierte
Kunst, Kultur in höchster Vollendung gibt es zu bewundern, zu erleben. Wunderbare Kathedralen, einfache Kirchlein, alte Pilgerbrücken, Pilgerherbergen... ein Eldorado für Kultur- und Kunstinteressierte, aber weit mehr als das – ein Weg durch unterschiedlichste Landschaftsformen, durch Küche und Keller der Regionen, durch schöne Dörfern mit freundlichen Menschen, die dort wohnen oder die ebenso auf diesem Weg gehen. Und für viele am wichtigsten: die Möglichkeit, sich einzureihen in eine lange unüberschaubare Zahl von Pilgern, selber zum Pilger zu werden – im besten Sinn. „Wenn ich gar nicht mehr weiß, was im Leben wichtig ist und richtig und gut, dann mache ich mich wieder auf nach Santiago“, sagte mir einer, der diesen Weg schon mehrfach gegangen war. „Mit den Füßen beten“ sagte eine andere, tue sie, das heiße für sie Wallfahrt. Woher komme ich? – Wozu lebe ich? - Wohin gehe ich? Das sind die Grundfragen aller Philosophie, das sind die Grundfragen jeden Lebens. In der Pilgerschaft meditiere ich diese Fragen ganz – als Mensch mit Körper, Geist und Seele, mit allen Sinnen. Und so ist es auch nicht so wichtig, ob man den ganzen Weg geht (damit ist meist der Weg von der französisch-spanischen Grenze gemeint – ca. 800 Kilometer; von St. Pölten aus wären es über 3000) oder nur einen Teil.

Auch in Österreich hat es einen Weg gegeben
Jetzt wird er wiederentdeckt (P: Lindenthal: Auf dem Jakobsweg durch Österreich; Tyrolia 1999). Die Etappen sind: Wolfsthal – Regelsbrunn – Schwechat – Wien – Purkersdorf – Würmla – Paudorf – Maria Langegg – Leiben – Ybbs – Zeilern – St. Pantaleon – Linz – Hörsching – Lambach – Timelkam – Hager-Kapelle – Salzburg – Unken – St. Johann – Bruckhäusl – Srass – Terfens – Innsbruck – Pfaffenhofen – Roppen – Zams – Flirsch –St. Christoph – Bludenz – Feldkirch

Vielleicht kennen Sie in Ihrer Nähe Kirchen, die dem Hl.- Jakobus geweiht sind, gehen auf den „Jakobikirtag“, haben zu Hause noch „Jakobiäpfel“ oder Sie wollen beim „billigen Jakob“ einkaufen, vielleicht haben Sie auch schon „Jakobsmuscheln“ gegessen: alles Begriffe, die mit diesem Jakobsweg zu tun haben.

Ich selbst bin bisher nur einzelne Teile dieses Weges gegangen, fahre oft privat oder als Reiseleiter nach Santiago und bin noch immer und immer wieder auf´s Neue fasziniert von diesem Weg.

 
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