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MARRAKESCH, REISE IN EINE ANDERE WELT

VON MAG. LEO NEUMAYER

 
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Eine Reise nach Marokko ist eine Reise in eine andere Welt, die fremd ist und bezaubernd und verwirrend und faszinierend. Mit dem Flugzeug ist man in wenigen Stunden über Frankfurt in Casablanca, Ausgangspunkt unserer StudienErlebnisReisen durch Marokko. Einer der Gründe, Marokko als Reiseziel zu wählen, ist für viele unserer Kunden die Stadt Marrakesch - eine intensive und sinnliche Stadt. Marrakesch, die Stadt der Berber und Nomaden, gilt als die schönste Stadt Marokkos. Erstmals bietet Kneissl Touristik bei seinen Marokko-Programmen jeweils eine Übernachtung in ‘Riads’ an - schönen, alten Kaufmannspalästen. Aber was kann man sich darunter vorstellen? Wir läuten eine altertümliche Glocke bei einem eher unscheinbaren Tor. Sind wir tatsächlich richtig? Wir warten. Dann hören wir Stimmen, einen sich drehenden Schlüssel, das Tor öffnet sich. Ein freundlicher Herr führt uns durch einen eher düsteren Gang in einen Innenhof. Und plötzlich Licht und Wärme - nicht die Temperatur, die auch sehr angenehm ist (Ende Oktober 20 - 25 °C) macht die Wärme aus, sondern die Farben und Muster der Ziegel und Kacheln, der Ornamente und Möbel. Wir beziehen geschmackvoll eingerichtete Zimmer, sehen uns die weiteren Räumlichkeiten an, besteigen die Dachterrasse - vor uns liegt Marrakesch, das Gewirr von Gassen, Häusern, Moscheen... dahinter der schneebedeckte Hohe Atlas und die einzigartig schöne Koutoubia-Moschee. Ein idealer Begleiter für eine Reise ist immer ein gutes Buch - in diesem Fall ‘Die Stimmen von Marrakesch’ von Elias Canetti. Über ‘unser’ Haus schreibt er: ‘In diesen Häusern gehen wenig Fenster auf die Gasse, manchmal keines; alles öffnet sich auf den Hof, und dieser öffnet sich auf den Himmel. Nur durch den Hof ist man in einer milden und gemäßigten Verbindung mit seiner Umwelt. Man kann aber auch auf das Dach steigen und alle flachen Dächer der Stadt auf einmal sehen. Es ist ein ebener Eindruck und alles wie in großzügigen Stufen gebaut. Man meint, man könnte oben über die ganze Stadt spazieren.’

Marrakesch bietet eine Vielzahl von Besichtigungsmöglichkeiten
- Moscheen sind zwar für ‘Ungläubige’ tabu, es gibt aber viele Museen, prächtige Paläste und die farbenprächtigen Souks. Man braucht aber auch etwas Zeit, um ein zu tauchen in den Orient, der hier eigentlich ein Okzident ist (der Westen = arabisch ‘Maghreb’). Nun geht es an die ‘Eroberung’ von Marrakesch: Wir gehen durch verwinkelte, schmale Gassen, versuchen uns zu merken, wo wir abbiegen, da ein Apotheke, dort ein Bildergalerie, ein Restaurant mit merkenswertem Namen, eine fotogene Fleischerei... Werden wir aus dem Labyrinth wieder heraus finden? Ein Geschäft, ein Laden nach dem anderen - ca. 16 Kilometer lang. Wir werden genug zu schauen haben, zu kaufen, zu handeln... Die Leute, auch die Geschäftsleute sind freundlich, höflich. Sie wollen Geschäfte machen, verkaufen - gewiss, aber sie sind nicht aufdringlich, wie viele befürchten mögen. Zu bestaunen gibt es vieles, irgendwie alles. Nichts, das es hier nicht gäbe: Leder, Holz, Kupfer, Eisen, dazwischen Essen, Gewürze und Düfte, Kunsthandwerk, Keramik in allen Farben und Formen, Verkaufs- und Produktionsstätten neben- oder ineinander, Gegenstände des täglichen Bedarfs - und Zeit und die Kunst der Preisfindung, des zivilisierten Feilschens und Abtastens. Und wieder Canetti: ‘Es ist würzig in den Suks, es ist kühl und farbig. Der Geruch, der immer angenehm ist, ändert sich allmählich, je nach der Natur der Waren. Es gibt keine Namen und Schilder. Alles was zu verkaufen ist, ist ausgestellt. Man weiß nie, was die Gegenstände kosten werden, weder sind sie an ihren Preisen aufgespießt, noch sind die Preise fest. Alle Gelasse und Läden, in denen dasselbe verkauft wird, sind dicht beieinander, zwanzig oder dreißig oder mehr von ihnen. Da gibt es einen Bazar für Gewürze und einen für Lederwaren. Die Seiler haben ihre Stelle und die Korb-flechter die ihre. Von den Teppichhändlern haben manche große, geräumige Ge-wölbe; man schreitet an ihnen vorbei wie an einer eigenen Stadt und wird bedeutungsvoll hineingerufen. Die Juweliere sind um einen besonderen Hof angeordnet, in vielen von ihren schmalen Läden sieht man Männer bei der Arbeit. Man findet alles, aber man findet es immer vielfach. Die Ledertasche, die man möchte, ist in zwanzig verschiedenen Läden ausgestellt und einer dieser Läden schließt unmittelbar an den anderen an. Da hockt ein Mann inmitten seiner Waren. Er hat sie alle ganz nah bei sich, es ist wenig Platz. Er braucht sich kaum zu strecken, um jede seiner Ledertaschen zu erreichen; und nur aus Höflichkeit, wenn er nicht sehr alt ist, erhebt er sich. Aber der Mann neben ihm, der ganz anders aussieht, sitzt inmitten derselben Waren.’

Die Zeit vergeht und bleibt doch stehen.
Es ist Nachmittag geworden, Zeit für ein Getränk - gehoben, edel, dekadent, so erscheint auf den ersten Blick das weltberühmte Mamounia-Hotel. Wir sitzen im Freien, im Garten und genießen. Zu Hause ist es angeblich kalt und regnerisch! Wir genießen doppelt. Einer der schönsten Besichtigungspunkte von Marrakesch ist eine grandiose Gartenanlage - die Majorelle-Gärten, die von einem Maler angelegt wurden. Wie hätte man es sich bei diesen kräftigen Farben auch anders erwarten können. Ein kleines Museum, üppige Vegetation, Palmen, Kakteen, Euphorbien-Hecken, Palästchen und Gartenhäuschen in intensivstem Blau und Ocker, ein Hauch von 1000 und einer Nacht, auch wenn es Tag ist. In der Altstadt lockt eine ehemalige Koranschule, eine Stadt in der Stadt. In der Medersa Moulay Youssef studierten einst 900 Studenten. In den engen Zellen und Gängen, aber auch im licht-durchfluteten einzigartigen Innenhof glaubt man noch, ihre Schatten zu sehen. Es wird Zeit zum Abendessen, wir gehen auf den zentralen Platz Djemaa el Fna (früher der Platz der Hinrichtungen). Auch hier ein Stand, ein Geschäft neben dem anderen. 100 Sorten von Datteln preist der eine an, eine unüberschaubare Vielfalt von Gewürzen der andere, dazwischen sitzen die Schlangenbeschwörer, die Gaukler, fotogene (sie leben auch davon) Wasserverkäufer und improvisierte Restaurants. Täglich werden sie auf- und spät in der Nacht wieder abgebaut. Die Überfülle des Angebots - Fleischspeisen, Fisch, Gemüse... - erschlägt uns fast. Wir haben einen Tipp bekommen, wo man gut und typisch marokkanisch essen kann. In einem schönen Lokal, früher ein Palast - was sonst - sitzen wir unter Arkaden, blicken in den Innenhof und in die Speisekarte. Qual der Wahl... Man bietet uns eine Variation von typischen Vorspeisen an. Also gut, irgend etwas wird schon dabei sein, das uns schmeckt. Es stimmt, aber nicht nur irgend etwas, es schmeckt alles wunderbar intensiv und immer neu und in unterschiedlichsten Varianten. Etwa 20 Schälchen mit Köstlichkeiten werden aufgetischt, verkostet, genossen. Marrakesch ist scheinbar in allen Punkten ein Fest der Sinne. Eigentlich sind wir schon satt, als noch die Hauptspeise kommt. Außerdem haben wir marokkanischen Wein getrunken, sehr guten sogar. Wir kämpfen uns zurück über den Djemaa el Fna - mit vollen Bäuchen. Das Wort Kampf stimmt in diesem Fall aber auch anders, es gibt Zirkusvorführungen als Zusatzattraktion. Wir aber sind müde und finden immer wieder, was wir nicht vermutet haben, den Weg in unser Refugium zurück. Und ein Refugium ist es wirklich. ‘Um in einer fremdartigen Stadt vertraut zu werden, braucht man einen abgeschlossenen Raum, auf den man ein gewisses Anrecht hat und in dem man allein sein kann, wenn die Verwirrung der neuen und unverständlichen Stimmen zu groß wird. Dieser Raum soll still sein, niemand soll einen sehen, wenn man sich in ihn rettet, niemand, wenn man ihn wieder verlässt.’

Man sitzt noch ein wenig zusammen, plaudert, trinkt und lässt einen an Intensität nicht zu überbietenden Tag ausklingen.

Zum Glück kommen noch ein paar weitere Tage in Marokko, zum Glück.

 
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