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RUMÄNIEN

ARTIKEL AUS RUNDUM REISEN (DER STANDARD)

 
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Pelikane im Donaudelta © Christian Kneissl Freskendetail aus dem Juengsten Gericht © Christian Kneissl Froehlicher Friedhof von Sapanta © Christian Kneissl Kloster Voronet © Christian Kneissl Holzfenster aus dem Dorfmuseum in Bukarest © Christian Kneissl Kirche Surdesti © Christian Kneissl Schlammkrater von Buzau © Christian Kneissl Bran, Toerzburg © Rumaenisches FVA
 

So nah liegt Rumänien, und ist als Urlaubsdestination doch so fern. Schade, wie Rumänien-Reise-Expertin Elisabeth Kneissl-Neumayer findet.

Rumänien liegt nur knapp 500 Kilometer von Wien entfernt, ist aber für viele Österreicher keine Wunschdestination. Leider und schade. Die Anreisebedingungen sind vergleichsweise optimal - neben erstklassigen Flugverbindungen, ist Rumänien auch auf dem Landweg schnell und einfach über Ungarn erreichbar. Das Land, das fast drei Mal so groß wie Österreich ist, bietet eine fantastische Vielfalt an Landschaften - von den Karpaten bis zum Donaudelta, einem der bedeutendsten Vogelschutzgebiete Europas.

Der Begriff Rumänien als Staatsname wurde erst spät geprägt. 1862, nach der Vereinigung der Fürstentümer Walachei und Moldawien, wird Bukarest zur Hauptstadt erhoben, vier Jahre später ein Deutscher aus der Familie Hohenzollern-Sigmaringen zum Fürst und später zum König gewählt. 1918 - mit Ende des Ersten Weltkriegs - wandern die Dobrudscha, Bukowina, Siebenbürgen und Banat unter das Dach des Königreichs Rumänien, das sich im Zweiten Weltkrieg auf die Seite Deutschlands schlägt. 1947 beginnt mit der Abdankung von Michael I., dem letzten rumänischen König, die lange Zeit der kommunistischen Diktatur, die von 1965 bis 1989 von Nicolae Ceausescu geprägt war. Die Aufstände im Dezember 1989 öffnen den langen und steinigen Weg in Freiheit, Demokratie und freie Wirtschaft, 2007 wird Rumänien Teil der EU.

Das lebendige Museum Maramures
Doch schauen wir uns einige der herausragenden Regionen an: Ganz im Nordwesten, inmitten der Waldkarpaten, liegt die Region Maramures. Es ist wahrscheinlich die ursprünglichste Region Rumäniens. Hier messen die Uhren angeblich nicht die Zeit, sondern die Ewigkeit. Zu Recht wird die Maramures auch als lebendiges Museum angesehen. Vor allem die Zimmerleute und die Meister der Holzschnitzerei haben sich in der Region weithin sichtbar verewigt. Die wunderschönen Holzkirchen mit ihren spitzen Türmen und ihrer schönen Innenausstattung, aber auch die prächtig verzierten Holztore der Bauernhöfe geben ein beredtes Zeugnis davon.

Die historische Landschaft der Bukowina, die im nördlichen Teil mit Czernowitz zur Ukraine gehört, ist ein weiterer Meilenstein der kulturgeschichtlichen Bedeutung Rumäniens. Im 15. und 16. Jahrhundert entstanden in der Region Moldau einzigartige Klöster, die heute zum UNESCO-Welterbe zählen. Die Fresken, die die Kirchen innen und außen in teilweise noch prachtvollen Farben bedecken, gelten als Meisterwerke der byzantinischen Kunst und wurden von rumänischen, teils unbekannt gebliebenen Malern geschaffen. Einerseits dienten die Fresken der einfachen Bevölkerung als Bibel der Armen, andererseits konnten die Fresken auch Menschen aus der Ferne sehen, die die Kirchen nicht betreten durften.

Die Region Siebenbürgen
Im südlichen Karpatenbogen, umgeben von den herrlichen Bergen der Ostkarpaten und der Transsilvanischen Alpen, liegt die Region Siebenbürgen oder Transsilvanien. Ab 1150, als der ungarische König Siedler für das "Land, jenseits der Wälder" suchte, wurden Sachsen, Flamen, Franken, Luxemburger, später auch Österreicher in Siebenbürgen sesshaft - sie kamen als Handwerker und Bauern und bekamen mit einem Goldenen Freibrief die Rechte zur Selbstverwaltung und Eigengerichtsbarkeit. In der Grenzregion zum Osmanischen Reich war bald die Notwendigkeit zur Befestigung von Kirchen und Dörfern gegeben - die bis heute erhaltenen Wehrkirchen von Siebenbürgen wie Birthälm oder Tartlau zählen heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie sind das sehr deutliche Zeugnis einer blühenden Kultur, die erst in den letzten Jahren nach 1989 durch die starke Absiedelung der Siebenbürger Sachsen zurück nach Deutschland fast ein Ende genommen hat.

Hilfsprojekt für Roma
Vertraut wirkende wunderschöne Dörfer, herrliche Städte wie Hermannstadt und Kronstadt, aber auch die Spuren der Landler aus dem Salzkammergut begeistern uns hier. Viele der Dörfer, die nach 1989 verlassen wurden, besiedelten Roma. Hier bemühen sich unter anderem zwei starke Frauen um ein gutes Zusammenleben und Bildung für die Roma. In Reußdörfchen ist das Dr. Hermine Jinga-Roth mit ihrem Kinderbauernhof, in Holzmengen Ruth Zenkert mit dem Concordia-Projekt Elijah.

Zum Weltnaturerbe der UNESCO schließlich zählt das Donaudelta, ein einzigartiges Labyrinth aus Wasser, Schlamm und Schilf. 14.000 Menschen leben hier auf kleinen Inseln, gebildet aus Fluss- und Meersandbänken. 150 Fischarten bevölkern Lagunen und Küstengewässer, und über 300 Vogelarten nisten in der größten Schilflandschaft der Erde. Bootsfahrten erschließen dieses einzigartige Biosphären-Gebiet und sind nur ein weiterer Höhepunkt eines Landes, das noch nicht ganz oben auf der Liste der beliebtesten Urlaubsdestinationen der Österreicher steht.

 
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