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SYDNEY - PERLE AM PAZIFIK

VON GOTTFRIED BAUER

 
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Diese Stadt zieht Besucher in ihren Bann. Nicht umsonst gilt Sydney als eine der schönsten Städte der Welt. Spätestens seit den Olympischen Spielen des Jahres 2000 ist diese Metropole mit ihrem großartigen Hafen auch international bekannt geworden. 352 Sonnentage jährlich verleihen der subtropischen Stadt eine unvergleichliche Atmosphäre, traumhafte Strände wie Manly oder Bondi Beach und die Blütenpracht von Jacaranda bis Frangipani trägt ihren Teil dazu bei.

Wer hätte es sich träumen lassen, an jenem 26. Januar 1788, dass aus diesen bescheidenen Anfängen einmal eine der lebenswertesten und schönsten Städte der Welt werden würde. Captain Arthur Philip, von London als Gouverneur der zu gründenden Sträflingskolonie ans andere Ende der Welt geschickt, ließ seine Schutzbefohlenen an jenem Abend auf einem eingeebneten Platz versammeln und rief offiziell die Kolonie New South Wales aus. Bis zum heutigen Tag ist der 26. Januar Australiens Nationalfeiertag, und jedes Jahr laufen im Hafen von Sydney die Schiffe der ersten Flotte ein.

Von der Sträflingskolonie zur modernen Traumstadt

Doch ansonsten kann man nur mehr wenig von den Schwierigkeiten der ersten Jahre ahnen. Das Capuccino Paradies des modernen Sydney lässt die Probleme der ersten Europäer in Australien so weit entfernt erscheinen wie das römische Reich vom heutigen Österreich. Das größte Problem für die junge Kolonie war der Hunger. Das von James Cook so verheißungsvoll beschriebene Land enttäuschte die Neuankömmlinge. Man muss sich einmal die Tatsache vor Augen führen, dass die Region, die als Standort für die neue Kolonie vorgesehen war nur einmal zuvor von einem europäischen Schiff besucht worden war – und das auch nur für wenige Tage. Cooks Berichte von der Botany Bay waren dennoch so überschwänglich, dass die Krone ohne weitere Prüfung der Gegend 11 Schiffe losschickte um dort eine Strafkolonie zu errichten.

England saß nämlich in der Zwickmühle: Seit rund einem Jahrhundert hatte man – als zweite Strafe neben der Todesstrafe – die Deportation im Justizsystem verankert. Bis 1776 funktionierte das System prächtig, war doch in den amerikanischen Kolonien genügend Platz für Neuankömmlinge. Doch dann kam es zur amerikanischen Revolution und diese Option schied aus. Die Londoner Gefängnisse waren rasch überfüllt, die Zeit drängte. Also besann man sich der Berichte James Cooks – der mittlerweile auf Hawaii von aufgebrachten Eingeborenen ermordet worden war – und beschloss, eine Flotte von Häftlingen in die Botany Bay zu schicken. Der botanische Begleiter von Cook, Joseph Banks, machte sich für die von ihm flüchtig erkundete Region stark. Arthur Philipp, der Sohn eines Frankfurter Buchhändlers, wurde als Kommandant der schweren Mission eingesetzt. Im Mai 1787 segelten elf Schiffe auf dem Hafen von Portsmouth. 736 Häftlinge sowie 294 Soldaten und Zivilisten waren an Bord. Die Überfahrt verlief ohne größere Zwischenfälle, auch die Sträflinge waren bei bester Gesundheit. Am 18. Januar kam die erste Abteilung in der Botany Bay an und machte sich daran, das Land in Augenschein zu nehmen – sofort machte sich Enttäuschung breit. Das von James Cook so verlockend beschriebene Land schien ausgetrocknet, nirgends konnte man die fetten Weidegründe, von denen er schrieb, entdecken. Es zeigte sich schmerzlich deutlich, dass Cook im April, der etwas niederschlagsreicheren Jahreszeit zum Ende des australischen Sommers, an der australischen Ostküste angekommen war. Captain Philipp machte sich deshalb mit der Supply auf die Suche nach einem geeigneteren Platz für eine Siedlungsgründung. Dabei nahm er auch den von Cook beiläufig erwähnten, nach dem ersten Lord der Admiralität benannten Port Jackson in Augenschein, an dem Cook nur vorbei gesegelt war. Kaum hatte er die Einfahrt in den Hafen passiert war all seine Enttäuschung verflogen – hatte er doch einen der besten Naturhäfen der Welt entdeckt. Philipp erkundete die verschiedenen Buchten des Hafens genau und entschied sich dafür, dass eine kleine Bucht im zentralen Bereich die beste Lage böte. Zu Ehren des Ministers für die britischen Kolonien benannte er die Bucht Sydney Cove – heute trägt sie den Namen Circular Quay und ist das pulsierende Herz der Millionenstadt, flankiert von den beiden berühmten Wahrzeichen, dem Opernhaus und der Harbour Bridge. Er ließ die gesamte Flotte nachkommen und am 26. Januar gab es dann die bereits erwähnte Feier.

Hunger prägte die ersten Jahre

Doch das Wachstum der Kolonie ging zunächst nur schleppend voran. Der Viehbestand war gering, und nach kurzer Zeit liefen zu allem Überdruss auch noch die wenigen Kühe davon und wurden nicht mehr gesehen. Hunger war die größte Sorge der Siedler, auch die Aborigines attackierten zuweilen die Sträflinge mit ihren Speeren – meist jedoch nach vorhergehenden Feindseligkeiten von Seiten der Europäer. Viele Ureinwohner hatten schon bald unter europäischen Krankheiten wie Pocken oder Masern zu leiden. Gerade die Gegend um Sydney war aufgrund der günstigen naturräumlichen Gegebenheiten seit vielen Jahrtausenden eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Ureinwohner, doch vor dem Expansionsdrang der Briten flohen sie schnell in entlegenere Gebiete bzw. wurden stark dezimiert. Im Juni 1790 kam die heiß ersehnte zweite Flotte an, doch sie brachte kaum Linderung der Hungersnöte. Ganz im Gegenteil kamen in erster Linie wieder Sträflinge. Zudem waren die hygienischen Verhältnisse bei der Überfahrt so schlecht, dass schon unterwegs viele Sträflinge gestorben waren und viele weitere in erbärmlichem Zustand Sydney erreichten. Erst die Ankunft der dritten Flotte 1791 und die allmählichen Fortschritte in der Landwirtschaft konnten die größten Probleme der Ernährungslage lindern. Auch sonst machte die Kolonie langsam Fortschritte. Endgültig zum Durchbruch verhalf der Kolonie New South Wales allerdings erst der vierte Gouverneur, Lachlan Macquarie, ein Schotte. 1809 kam er nach Australien und in den 13 Jahren seiner Regierungszeit machte die Kolonie endlich die erhofften Schritte in die richtige Richtung. Unter ihm gelang etwa die zuvor schon mehrmals erfolglos versuchte Durchquerung der Blue Mountains und damit die Erschließung der westlichen Weidegründe. Erstmals war New South Wales in der Lage, ohne Importe des Mutterlandes zu überleben. Machen wir einen Zeitsprung. 26. Januar 2004. Wie in jedem Jahr feiern die Australier mit einer farbenprächtigen Feier ihren Nationalfeiertag. Sydneys Bevölkerung winkt den Schiffen zu, die in den Hafen kommen. Man bekommt unweigerlich den Eindruck, eine Stadt würde sich selbst feiern.

Heute lockt Sydney Besucher aus aller Welt an

Sydney ist eine selbstbewusste, ja eine selbstverliebte Stadt. Kein Wunder: Auch Besucher sind verzaubert von der Atmosphäre dieser Stadt am Wasser. Nicht erst seit den olympischen Spielen ist Sydney „in“ – mit der Folge, dass die Grundstückspreise für Durchschnittsbürger unbezahlbar geworden sind. Erst im vergangenen Jahr wurde ein neuer Rekord in den Eastern Suburbs, den mondänsten Gegenden der Stadt, erzielt: für ein Haus in Point Piper, direkt am Hafen gelegen, wurden 30 Mio. australische Dollar (etwa 20 Mio. Euro) bezahlt. Der Immobilienmarkt in der Stadt ist völlig überhitzt - immer mehr Menschen wollen die Magie dieser Stadt genießen, eintauchen in das Paradies am Südpazifik. Das Wetter trägt einiges dazu bei: an 352 Tagen im Jahr scheint hier durchschnittlich die Sonne - ganz im Gegensatz zum oft nassen und kühlen Melbourne, der großen Rivalin im Süden. Das subtropische Klima begünstigt die Vegetation: Im November blühen überall in der Stadt die Jacaranda-Bäume, im März liegt der süße Duft des Frangipani in der Luft. Dazu kommen die unzähligen weißen Segel im Hafen, die selbst bei Geschäftsreisenden ein Feriengefühl aufkommen lassen. In unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum findet man mehr Strände als in jeder anderen Millionenstadt: Die bekanntesten sind Bondi und Manly, letzterer vom Circular Quay aus bequem mit der Fähre zu erreichen. Dabei bekommt man auch die beiden bekanntesten Wahrzeichen der Stadt vor die Kamera: die Harbour Bridge und das Opernhaus.

Die Brücke über das Hafenbecken, ihrer charakteristischen Form wegen oft als 'Kleiderbügel' bezeichnet, wurde während der Weltwirtschaftskrise als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme erbaut. Längst kann sie den gewaltigen Verkehrsstrom nicht mehr allein bewältigen, weshalb zusätzlich ein Tunnel unter dem Hafen für den Durchzugsverkehr und die Zufahrt aus den nördlichen Vororten geschaffen wurde. Das Opernhaus auf der gegenüberliegenden Seite des Circular Quay zählt sicherlich zu den bekanntesten Konstruktionen der Architekturgeschichte. Aus einem internationalen Wettbewerb ging der junge dänische Architekt Jörn Utzon, bis dahin kaum in Erscheinung getreten, als Sieger hervor. Sein kühner Vorschlag überzeugte die Jury - vor allem die Dachkonstruktion, die mit ihren weißen Segeln die Schiffe im Hafen imitieren sollte. 1959 begann man mit dem Bau, für den 6 Jahre und Kosten von 7 Mio. australischen Dollar veranschlagt wurden. Das Fundament war recht schnell errichtet, doch bei der Dachkonstruktion stand man vor schier unlösbaren Problemen. Die Öffentlichkeit wurde unruhig, die Kosten explodierten und 1966 kam es aufgrund des zögerlichen Fortschritts beim Bau sogar zu einem Regierungswechsel in New South Wales. Jörn Utzon wurde von der neuen Regierung entlassen und der weitere Bau einem australischen Architektenteam übertragen - er kehrte nie wieder nach Australien zurück und sah so nie seinen berühmtesten Entwurf vollendet. Dies führte zwangsläufig zu einigen Abänderungen des eigentlichen Plans. Im Jahr 1973 schließlich eröffnete Königin Elisabeth offiziell das Opernhaus: die Bauzeit betrug also 14 Jahre, die Kosten über 100 Mio. A$ - doch die Regierung hatte sich abgesichert und eine Lotterie ins Leben gerufen, welche die Baukosten finanzierte. Heute ist das beeindruckende Bauwerk mit den weißen Segeln zum Symbol für den gesamten Kontinent geworden, nur der Ayers Rock im roten Herzen des Kontinents hat eine ähnliche Berühmtheit erlangt. Es war auch das Symbol der olympischen Spiele im Jahr 2000, die der Welt diese einzigartige Stadt nähergebracht haben. Kommen Sie mit uns nach Sydney und lassen auch Sie sich verzaubern!

 
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