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CHILE - LAND DER KONTRASTE

ERFAHRUNGEN EINES REISELEITERS ZWISCHEN WÜSTE UND GLETSCHER

 
Starte Diaschau
Torres del Paine NP (C) stock.adobe Mondtal, Atacama (C) stock.adobe Araukarienwaelder in Mittel-Chile (C) stock.adobe Osterinsel (C) stock.adobe Petrohue Falls vor dem Vulkan Osorno (C) stock.adobe Alstroemerien (C) Dr. Robert Kraus Chiloe, Palafitos (C) stock.adobe Guanaco (C) Dr. Robert Kraus
 

Als Gott die Erde erschuf, hatte er am Ende von jeder Landschaft ein bisschen etwas übrig: ein bisschen Wüste, ein bisschen Wald, ein paar Seen und Gletscher. Was mache ich denn nur damit, fragte er sich … ach, das werfe ich einfach mal hinter die Berge. So entstand der Legende nach Chile.
 
Fjorde, Gebirge, Wüste
Ja, so ist das in dem Land am anderen Ende der Welt. So ziemlich alles ist in Chile zu finden. Stellen Sie sich gedanklich vor, Sie machen Urlaub und verbringen zuerst ein paar Tage in der Sahara, danach ein paar Tage am Mittelmeer - dann in der Schweiz und am Ende in den norwegischen Fjorden. Das würde hier niemandem einfallen – aber in Chile sehen Rundreisen (oder sollte man lieber sagen „Längsreisen“) in der Regel immer so aus – und das alles in einem einzigen Staat. Auf die Nordhalbkugel projiziert, erstreckt sich das Land über 4.800 km von der mittleren Sahara bis nach Dänemark.
Wer antike Kulturen und Monumentalbauten sucht, ist in Chile fehl am Platz. Es gibt nichts dergleichen – mit einer einzigen Ausnahme: Die riesigen Steinfiguren und Vulkankrater der Osterinsel weit draußen im Pazifik sind ein krönender Beginn oder Abschluss einer Reise nach Chile und hundertprozentig zu empfehlen.
Aus vorkolumbianischer Zeit sind auf dem Festland kaum Spuren zu finden. Für die ­Inkas waren die heimischen Indigenen „wilde, unbezähmbare Feinde“ – und auch die Spanier hatten so ihre Probleme mit den „Mapuche“. Heute ist von deren Kultur nicht mehr viel übrig – und so wie viele andere ­indigene Völker Lateinamerikas gelten wir Europäer immer noch als „Feinde“ und Eroberer; die Mapuche behalten ihre Geheimnisse für sich. Ich kenne nur ein winziges Museum im Dorf Curarrehue, wo man ein wenig in deren ­Lebensweise hineinschnuppern kann.
Spannend wird die Kultur des Landes vor allem nach der Kolonialisierung durch die Europäer. Fast alle europäischen Nationen haben ihre Spuren hinterlassen, neben den Spaniern noch Engländer („panqueque“ sind „pancakes“), Franzosen, Kroaten, Deutsche (was ist wohl ein „strudel de manzana“?) - dazu chinesische Arbeiter. Ein wahrlich kunterbuntes Bevölkerungsgemisch.  

Spektakuläre Landschaften
Wer nach Chile reist, der kommt kaum wegen des kulturellen Erbes, er ist auf der Suche nach Natur, nach beeindruckenden, spektakulären Landschaftsformen. Fangen wir im Norden an: Die Atacama gilt als die trockenste Wüste der Erde – und tatsächlich gibt es Flecken, wo seit Ankunft der Europäer kein einziger Regentropfen gefallen ist. An der Küste ein bisschen Nebelniederschlag, in den Bergen subtropischer Regen vom Osten – und dazwischen absolut nichts, nur Steine, kein Lebenszeichen. Dazu thronen im Hintergrund die riesigen Vulkane der chilenischen Anden. Mittelchile dagegen gilt als eines der mediterranen Gebiete unserer Erde und entsprechend vielfältig ist die Blumenwelt. Kennen Sie „Alstroemerien“ oder „Inkalilien“, oft als Sträuße an den Kassen in unseren ­Supermärkten zu finden? Das sind Züchtungen aus brasilianischen und zentralchilenischen Arten. Die Brasilianer bringen die langen Stängel – und die Chilenen die bunten vielfältigen Blüten. Noch ein paar hundert Kilometer weiter Richtung Süden sieht es dann tatsächlich so aus wie in der Schweiz – wenn man von den riesigen Vulkanen in der Ferne absieht. Aber solange kein Vulkan in Sicht ist: Berge, Hügel, Seen, Flüsse, Wälder wie bei uns daheim! OK, die Wälder sehen nicht so aus wie bei uns in Europa. Sie sind riesige Forstplantagen aus kalifornischen Kiefern oder australischem Eukalyptus – in den Nationalparks wachsen Südbuchen, Schlangentannen und andere „exotische“ Baumarten. Kommt man ans südliche Ende des ewig langen Landes, findet man Fjorde wie in Norwegen – dazu riesige Gletscher.  

Torres del Paine
Der Zugang zur Gletscherwelt Patagoniens ist allerdings nicht so ganz einfach, Straßen sind rar. Meine Empfehlung: Bei einer Bootstour auf dem „Lago Grey“ kommt man bis nahe an die Abbruchkante einer gewaltigen Gletscherzunge – mitten im Nationalpark Torres del Paine mit seinen markanten Granittürmen. Dazu tummeln sich Nandus (südamerikanische Strauße) und Guanacos (südamerkanische Kamele) auf den Wiesen zwischen den Gipfeln und Seen. Nur den Puma, den Berglöwen, bekommt man nur selten zu Gesicht. Er ist allgegenwärtig, aber leider sehr scheu. Noch ein Tipp, wenn man so weit im Süden ist: Es gibt einen absolut spektakulären Gletscher, einfach zu erreichen, mit Aussichtsplattformen praktisch direkt am Ende der Straße – nur jenseits der Grenze, in Argentinien: Der Perito Moreno ist ein Gigant aus Eis – und fast zum Greifen nahe. Hier ist man schon auf der Ostseite der Anden – und die Landschaft ist wieder vollkommen anders, nämlich wie in den weiten, ewigen Steppen Zentralasiens …

Ein Fest für den Gaumen
Es fehlt noch die Kulinarik: Sie ist unbeschreiblich vielfältig, noch kontrastreicher als die Landschaften! Tausende Kilometer Küste mit einem der fischreichsten Gewässer vor der Nase. Die Vielfalt an frischem Fisch und Meeresfrüchten ist außergewöhnlich. Eines meiner Lieblingsgerichte ist ­„Machas al la Parmesana“ – Muscheln mit festem Fleisch, in der Konsistenz eher an Tintenfisch erinnernd – mit Parmesan überbacken (ja, auch die Italiener haben ihre Spuren hinterlassen). Mein Lieblingsfisch: „Congrio“ oder „Chile-Kingclip“, ein aalförmiger Raubfisch, zuhause auf den Felsen des Kontinentalabhangs – einfach nur fein. Fleischliebhaber kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Wie im benachbarten Argentinien gibt es „Parrilla“ – Grillteller mit allen Fleischsorten, die man sich denken kann (Nieren, geflochtene Kutteln, Kuheuter, …). Für die Vegetarier - Obst und Gemüse, so vielfältig und frisch, wie man es sich nur wünschen kann. Reife Avocados an allen Ecken und Enden. Haben Sie einmal eine am Strauch ausgereifte Kiwi probiert – zuckersüß und saftig? Mein chilenisches Lieblingsgewürz hat seinen Ursprung bei den Mapuche: „Merkén“ ist geräuchertes Chilipulver – heutzutage meist vermengt mit etwa 10% gemahlenen Koriandersamen - auch Einwanderer aus dem Nahen Osten haben etwas zum kunterbunten Gemisch der Nationen und Speisen beigetragen. Man darf auch den chilenischen Wein nicht vergessen, Zentralchile gilt als eine der besten Weinregionen der Welt. „Carménère“ muss man einfach einmal probieren. Die Rebsorte galt in Frankreich als ausgestorben und wurde in Chile wiederentdeckt. Gutes Bier gibt es sowieso – und als Aperitif empfehle ich Pisco Sour: Weinbrand aus Muskatellertrauben mit Zitrone und Zuckersirup - wobei ich gestehen muss (auch wenn die Chilenen dann beleidigt sind) - die Peruaner können das besser!

Dr. Robert Kraus

 
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