Was verbinden wir mit Skandinavien? Hohe Preise, großartige Landschaft, Mitternachtssonne, Kälte? Die faszinierende skandinavische Landschaft ist jedenfalls uralt und ein Kind der Eiszeit: Vor 10.000 Jahren noch mit einer 2 Kilometer dicken Eisschicht bedeckt, wurde die Oberfläche abgeschliffen und an der Küste bildeten sich tiefe, spektakuläre Fjorde - die wir bewundern. Mittlerweile hat auch die Erderwärmung vor dem Norden nicht halt gemacht - im Sommer 2025 haben wir den Polarkreis bei 31 Grad überschritten.
Das nördliche Ziel unserer Reise ist das Nordkap - und wenn wir dort stehen und Richtung Nordpol blicken, haben wir mehr als 3000 Kilometer zurückgelegt. Aber zurück an den Start in Wien, die erste Station dieser Reise ist die lebenswerteste Stadt des Jahres 2025: Kopenhagen. Wir flanieren von der Kleinen Meerjungfrau (muss sein) zum Gefionbrunnen, weiter zum Schloss Amalienborg und der Marmorkirche, zum berühmten Nyhavn, durch die Fußgängerzone Strøget zur königlichen Residenz Christiansborg und zum Rathaus. Und wer möchte, nützt die Mittagspause für eine Bootsfahrt vom Nyhavn aus – ich bin dabei, Kopenhagen vom Wasser aus zu sehen, ist genial.
Tags darauf geht es über die beeindruckende Öresundbrücke nach Schweden, wo wir in Göteborg unter anderem Poseidon unsere Aufwartung machen. Unser Ziel ist die norwegische Hauptstadt Oslo und erst einmal das Hotel am Holmenkollen, direkt neben der ältesten Sprungschanze der Welt, es bietet großartige Ausblicke über die Stadt. Oslo ist derzeit ein Eldorado für Freunde der zeitgenössischen Architektur: Zuerst beeindrucken historische Bauwerke wie das königliche Schloss, Rathaus und die Festung Akershus, dann erklimmen wir das Dach des „neuen" Opernhauses und blicken auf das Kunstmuseum, das Edvard Munch gewidmet ist. Das Expeditionsschiff Fram lassen wir nicht aus, auf und unter Deck folgen wir den Spuren von Fridtjof Nansen.
Weiter geht es Richtung Lillehammer, der Stadt der Olympischen Winterspiele 1994 – aber nicht, ohne zuvor die 214 Stein- und Bronzeskulpturen zu bewundern, die Gustav Vigeland über den Frognerpark verteilt hat. In Lillehammer ist es das Freilichtmuseum Maihaugen, das uns mit über 200 historischen Gebäuden die Geschichte Norwegens hautnah erleben lässt. Geschichte und Gegenwart, eine fruchtbare Begegnung.
Ein abwechslungsreicher Tag voller Highlights lässt die (Handy)Kameras nicht zur Ruhe kommen: Aus dem 12. Jahrhundert stammt die beeindruckende Stabkirche in Lom, deren Gewölbe einem umgedrehten Wikingerschiff nachempfunden ist. Durch die Heimat von Ibsens „Peer Gynt“ geht es zum weltberühmten Geirangerfjord. Viele Serpentinen und prachtvolle Aussichten bringen uns dem kleinen Ort Geiranger, zugegeben ein touristischer Hotspot mit allem, was dazugehört, näher. Nach einer Mittagspause im Ort (und vielleicht einer Wanderung entlang des brausenden Wasserfalls) nehmen wir die berühmte Adlerstraße, die uns in elf Serpentinen wunderschöne Ausblicke auf den Fjord bietet. Wer von aussichtsreichen Serpentinen noch nicht genug hat, darf sich auf den nächsten Abschnitt der Strecke freuen: der Trollstig ist nicht nur eine Meisterleistung der Straßenbaukunst, sondern auch eine Belohnung für unsere Busfahrer, die Herausforderungen lieben. Uns alle belohnt ein Aussichtspunkt mit einem einzigartigen Panorama.
Trondheim mit dem beeindruckenden Nidarosdom ist die nächste Station. Die frühere Krönungskirche der norwegischen Könige – und auch ihre letzte Ruhestätte – steht in einer Schlinge des Flusses Nidelva. Direkt am Fluss, den wir über die schöne, alte Brücke überqueren, erwarten uns die bunten Speicherhäuser der Stadt. Beim Spaziergang durch die pittoreske Altstadt kommen wir auch am weltweit einzigen Fahrradlift vorbei. Eine genussvolle Zimtschnecke am Marktplatz ist obligat – aber Vorsicht: diebische Möwen wissen auch, wie gut diese skandinavische Spezialität schmeckt ...
Vom Süden in den Norden
In Nordnorwegen erreichen wir die sogenannte Nordkalotte. Auf 30 Prozent der Fläche Skandinaviens leben nur etwa 5 Prozent der Menschen. Umso größer ist die Chance, auf einen Verwandten des berühmten Elchs Emil zu treffen, die ja hier heimisch sind. Heimisch sind hier auch Lachse und mit ein wenig Glück sehen wir springende Exemplare im wasserreichsten Wasserfall Europas, dem Laksforsen. Erhebend ist das Gefühl, wenn wir etwas später an diesem Tag den Polarkreis überschreiten: 66 Grad 33 Minuten nördlicher Breite, Ende Juni beginnt das Phänomen der Mitternachtssonne, es wird nicht mehr wirklich dunkel.
In der Kulturhauptstadt 2024, Bodø, nehmen wir die Fähre und überqueren in 4 Stunden den Vestfjord. Unser Ziel ist die grandiose Inselgruppe der Lofoten. Ungefähr 80 Inseln liegen vor der norwegischen Küste, besiedelt wurden sie vor etwa 6000 Jahren von Wikingern, die von Jagd und Fischfang lebten. Fischfang ist noch immer ein wichtiger Wirtschaftszweig – die Trockengestelle für den Stockfisch, der als Bacalhau zum Beispiel in Portugal verspeist wird, sind ein allgegenwärtiger Anblick. Dörfer wie Å, Reine und Nusfjord lösen unsere Wunschbilder ein, die wir im Kopf haben, wir dürfen in den typischen Fischerhütten, den Rorbuer übernachten und die Schifffahrt im Trollfjord schenkt Natur pur.
Die Hauptinseln sind verbunden durch Tunnels und Brücken, und so erreichen wir trockenen Fußes die nördliche Inselgruppe der Vesterålen und in weiterer Folge auch Narvik, von der Hafenstadt wird Eisenerz aus Kiruna verschifft. Nach Tromsø ist es nicht mehr weit, die schöne Stadt mit der nördlichsten Universität und mit der nördlichsten Kathedrale, der einzigartigen Eismeerkathedrale, hat ein besonders Flair. Die Auffahrt auf den 418 Meter hohen Storsteinen schenkt einen fantastischen Blick auf die Stadt, den Fjord und die umgebenden Berge.
Zwei Panorama-Fährüberfahrten führen uns nach Alta, wo zahlreiche Felsritzungen, zum Teil über 6000 Jahre alt, beeindrucken. Die ersten Rentiere begleiten uns am Straßenrand auf dem Weg Richtung Norden bzw. stellen sich frech in den Weg. Wenn wir durch den fast 7 Kilometer langen Nordkaptunnel auf die Insel Magerøya fahren, ist der nördlichste auf dem Straßenweg erreichbare Punkt Europas nicht mehr weit, das Nordkap: 71 Grad nördlicher Breite, 514 Kilometer nördlich des Polarkreises, zum Nordpol sind es noch 2100 Kilometer, nach Wien 3200! Am Abend machen wir uns noch einmal auf zum Nordkapfelsen, um die Mitternachtssonne zu erleben. Und zur Sicherheit: Auch der Nebel verleiht dem Nordkap ein mystisches Gewand.
Weiter nach Norden geht es nicht mehr, wir entscheiden uns südwärts für die Route durch Finnland. Rentiere sind jetzt unsere alltäglichen Begleiter und die Landschaft ist mitunter wenig abwechslungsreich: links sind Bäume, rechts sind Bäume … Dazwischen allerdings gibt es trotzdem viel Interessantes zu entdecken: Ein (zum Teil Freilicht-) Museum über das Volk der Sami in Inari, das Dorf des Weihnachtsmanns in Rovaniemi, mit Oulu (Europäische Kulturhaupstadt 2026) und Kuopio interessante Städte und die Finnische Seenplatte – die größte Seenplatte Europas mit über 42.000 Seen! Einfach, schlicht, schön ist die Schifffahrt auf dem See. Savonlinna grüßt mit der beeindruckenden Burg, Kerimäki mit der größten Holzkirche der Welt, deren Dimensionen angeblich einer Verwechslung der amerikanischen und europäischen Längenmaße zu verdanken sind – Fuß und Meter zeitigen unterschiedliche Dimensionen.
Unser Ziel ist Helsinki – eine Hochburg des Klassizismus, Jugendstils und Funktionalismus. Untrennbar mit der finnischen Hauptstadt verbunden sind die Felsenkirche und das Sibelius-Denkmal, der Senatsplatz mit dem weißen Dom. Ein Wahrzeichen der Stadt ist der bombastische Bahnhof und die neue Bibliothek Oodi – eine Ode an das Lesen und die Literatur, aber auch ein architektonisches Meisterwerk. Einen ganzen Tag widmen wir uns der Stadt, bevor wir am späteren Nachmittag unser Jumbo-Fährschiff der Silja-Line besteigen, das uns über Nacht nach Stockholm bringt. Legendär ist nicht nur das skandinavische Bufett. Auch wenn es schwerfällt, sollte man nicht zu viel Zeit beim Frühstück verbringen – denn die Einfahrt nach Stockholm durch den Schärengürtel ist ein Erlebnis - unsere Fähre mäandert um unzählige kleine Inseln. Stockholm, wir kommen: Vor der Wachablöse – ein Erlebnis mit immer unterschiedlichen Militärbands - spazieren wir noch am Schloss vorbei, danach durch die schmalen Gassen der kopfsteingepflasterten malerischen Altstadt. Dom, Riddarholmskirche, das Rathaus … Stockholm ist eine eigene Reise wert.
18 Tage, im Flug vergangen! Gerade erst haben wir unsere Reise in Kopenhagen begonnen, schon sind wir am letzten Tag angekommen. Wir nehmen uns noch Zeit für die Vasa, die 1628 bei ihrer Jungfernfahrt gesunken war und 333 Jahre auf dem Meeresgrund verbracht hatte. Für dieses historische Schiff wurde ein einzigartiges Museum maßgeschneidert.
5000 Kilometer liegen hinter uns, ebensoviele Fotos belegen viele großartige Impressionen einer fantastischen Naturlandschaft, von smarten Menschen, langen und gefüllten Tagen, viel Sonne und nur ein bisschen Regen. Ein großartiger erster Überblick über die Schönheit Skandinaviens, wir kommen wieder, unbedingt.






