Über knapp 1000 km erstreckt sich das Sultanat Oman in Nord-Süd-Richtung - knapp 1000 km voller einzigartiger Naturwunder erwarten uns, faszinierende, bis zu 3000 m hohe Gebirge und üppig-grüne Oasen, die größte Sandwüste der Welt, uralte Begräbnistürme und Festungen sowie Hafenstädte, die schon lang vor Christi Geburt mit einem der wertvollsten Produkte der Antike gehandelt haben: Weihrauch. Ein gastfreundliches Land, das zu den sichersten der Welt zählt.
Halbinsel Musandam
Weit im Norden, direkt an der Straße von Hormus, liegt die Exklave Musandam: Fantastisch schöne fjordähnliche Buchten prägen die Halbinsel - Thor Heyerdahl hat der Region, die er 1977 mit seiner Expedition Tigris passierte, den klingenden Namen „Norwegen Arabiens“ gegeben. Die Gebirgszüge des nördlichen al-Hadjar Gebirges erheben sich mehr als 2000 m aus dem tiefblauen Meer und begeistern nicht nur Geologen: Das Ophiolith, aus dem sie aufgebaut sind, bildet üblicherweise den Ozeanboden. Hier in Musandam wurde ein riesiges Fragment der ozeanischen Kruste emporgepresst und über die asiatische Landmasse geschoben. Das beeindruckt auch uns Laien, wenn wir die Hänge des Jebal Harim erkunden. Was uns immer in Erinnerung bleiben wird, sind die einzigartigen „Fjorde“, die wir mit klassischen Dhows erkunden – wir passieren Steilwände, die sich aus dem Meer auftürmen, hin und wieder ein kleines Dorf, beobachten spielende Delfine und bewundern wilde Gesteinsformationen. Noch gibt es keine Hektik hier, noch gilt es als besonderer Geheimtipp auf der arabischen Halbinsel.
Metropole Muscat
An der Nordostküste des Sultanats liegt Muscat, die Hauptstadt des Oman - die historische Altstadt liegt in einer von schroffen Felswänden eingekesselten Bucht, die von zwei portugiesischen Festungen beherrscht und einer massiven Stadtmauer geschützt wird. Hier im Herz der Stadt bewundern wir den Al-Alam Palast und traditionelle Häuser (wie das Museum Bait al Zubair) – etwas weiter westlich am Hafen von Muttrah locken der Fischmarkt und der traditionelle Souk. In den neuen Stadtteilen (gut 20 km weiter westlich) sind die Ministerien, Shopping-Malls und Hotels zu finden, vorallem aber die beiden herausragenden Bauten aus der Zeit von Sultan Qabus: die Große Moschee und die Oper.
Im al-Hadjar-Gebirge
Inmitten der Bergwelt des al-Hadjar Gebirges liegen die historischen Zentren Nizwa oder Bahla, die uns tief in die Geschichte und die Traditionen des Oman eintauchen lassen. Karge Felswände treffen hier in der Provinz Dakhiliya auf üppig grüne Oasen, die wir einem genialen, knapp 3000-Jahre alten Bewässerungssystem verdanken (angeblich wurde es nach persischen Vorbildern angelegt). Die Wasserressourcen der mehr als 3000 m hohen Gebirgsregion werden gesammelt und mittels unzähliger Kanäle in die Felder und Gärten geleitet. Das Wasser wird genau pro Familie bemessen und entsprechend für eine bestimmte Zeit aus dem Hauptkanal entnommen. So liegt hier zwischen Jebal Shams und Jebal Akhdar nicht nur eine Kornkammer des Oman, sondern hier gedeihen auch Dattelpalmen, Obstgärten, Damaszenerrosen – und das teilweise auf einer Höhe weit über 2000 m! Besonders schön ist es, diesen Bewässerungskanälen zu folgen – „Levada-Spaziergänge“ auf omanisch bieten sich u.a. am Jebal Akhdar an, wo uns der Village-Walk mit herrlichen Ausblicken auf steile Terrassenkulturen von Dorf zu Dorf führt. Entlang dieser Kanäle erkunden wir auch Palmengärten und verkosten in Nizwa die unterschiedlichsten Datteln – mehr als 150 Sorten soll es im Oman geben! In der Altstadt von Nizwa fasziniert neben dem Fort auch der große Souk, in dem man sich mit Silberschmuck oder den schönen „kumma“ eindecken kann, der traditionellen Kopfbedeckung der Omani. Wer Freitag morgens kommt, taucht in das geschäftige Treiben des Tiermarkts ein, wo Ziegen, Schafe und Rinder gehandelt werden. Und definitiv nicht versäumen darf man den futuristischen Bau des Oman Across Ages Museum – das ikonische Gebäude wurde vom australischen Cox-Team geschaffen und gibt einen perfekten Überblick über ¬Geschichte und Natur des Oman.
Jebal Shams
Hoch hinaus zum Grand Canyon des Oman ist ein absolutes Muss: Über al-Hamra mit seinen alten Steinhäusern windet sich die Straße die Flanken des Jebal Shams hinauf, mit ca. 3000 m ist der Sonnenberg die höchste Erhebung des Oman. Einzigartige Ausblicke begleiten uns schon bei der Auffahrt und verstärken sich, sobald man in den Grand Canyon hinunterblickt – 1000 m tiefer liegt das Wadi Nakhar. Der Balcony Walk folgt dem Canyon und bietet die schönsten Einblicke in diese gewaltige Schlucht.
Wüste und Wasser
Jenseits von Ibra Richtung Süden erstreckt sich die kleinere der beiden Sandwüsten des Oman – die Wahiba- oder Sharqiyah Wüste. Über 180 km Länge und 80 km Breite erstrecken sind schier endlose Dünenketten von Nord nach Süd und bieten unzählige schöne Fotomotive. Die Übernachtung erfolgt inmitten der Wüste in fix aufgestellten Zelten, sodass man Sonnenunter- und -aufgang inkl. Kamelritt erleben kann. Zu glauben, dass man hier inmitten der Wüste ganz allein ist, stimmt nicht ganz – aber es sind überschaubar große, gut geführte Camps, die auf bequemste Art das „Erlebnis Wüste“ ermöglichen. Im Randbereich der Wüste bietet uns das Wadi Bani Khalid einen besonderen -Augenschmaus: ganzjährig fließt hier das Wasser und beeindruckt uns mit türkisfarbenen Becken inmitten glattgeschliffener Felsen. Wer will, folgt gut eine Stunde dem Wasserlauf oder kann durch die Wasserbecken schwimmen (bitte mit Leggings und T-Shirt). Welch ein Kontrast zu den Sanddünen der letzten Nacht!
Canyons sind auch das Hauptthema am Rückweg nach Muscat – Wadi Tiwi als bezaubernd schöne Komposition aus türkisfarbenen Becken und steilen Felswänden. Noch vielfältiger wird es im Wadi Arbiyeen, das uns mit einer Vielzahl schöner Fotostopps beglückt! Und wer gerne wandert, für den ist das Wadi Shab gerade richtig – aus den Oasengärten heraus dringt man immer weiter in einen engen Canyon vor. Wer will, kann den letzten Teil zu einer Höhle schwimmend zurücklegen.
Dhofar – Oman und doch so anders
Ein gut 1-stündiger Flug bringt uns nach Salalah, den Hauptort der Region Dhofar im tiefen Süden des Landes. An die Stelle von Dattelpalmen treten Kokospalmen und Bananen – üppig grün präsentiert sich die Landschaft südlich des Dhofar-Gebirges. Hier sind es nicht nur Bewässerungskanäle, sondern der feuchtigkeitsgeschwängerte Khareef-Wind, der „Wind des Überflusses“, der ab Juni drei Monate lang vom afrikanischen Kontinent herüberweht. Im starken Kontrast dazu steht das „Leere Viertel“ – die Rub al-Khali ist die größte Sandwüste der Erde und bestimmt mit ihren gewaltigen Dünenzügen den Norden und Nordwesten des Dhofar.
Zwischen Rub al-Khali und feuchter Küstenebene gedeihen die bekanntesten Pflanzen des Oman – die Weihrauchbäume (Boswellia sacra), die wenig Wasser brauchen und mit dem duftenden Harz über Jahrtausende den Exportschlager schlechthin produzierten. Seit dem frühen 1. Jahrtausend vor Christi Geburt zogen von den Häfen des Dhofar die Weihrauchkarawanen durch die Wüsten Arabiens bis zum Mittelmeer.
Auf der Weihrauchstraße
Die antiken Häfen, die für das Gesamtfunktionieren der Weihrauchstraße so wesentlich waren - Al Baleed und Khor Rhori (Sumhuram) – liegen östlich von Salalah und geben einen guten Eindruck von der Handelsmacht, die Südarabien vor gut 2500 Jahren war. Viel musste rekonstruiert werden, um die Zitadelle von Sumhuram hoch über der Lagune von Khor Rhori wieder erstehen zu lassen. An der Küste runden die interessanten Orte Taqah und Mirbat, die Baobabs im Wadi Hinna sowie der schöne Strand von Mughsayl das „Küsten-Bild“ von Dhofar ab. Nicht versäumen sollte man einen Tagesausflug auf der Weihrauchstraße Richtung Norden ins Wadi Dowkah, wo zahlreiche Weihrauchbäume wachsen. Das UNESCO-Welterbe Shisr in der Nähe von Thumrayt zeigt uns einen ehemaligen Karawanenstützpunkt entlang der Handelsstraße – ob es das verschwundene Ubar, das vielgerühmte Atlantis der Wüste, war, lassen die wenigen Steinmauern nicht so recht glauben. Hinter Shisr tauchen dann endlich am Horizont die gewaltigen Dünenkämme der Rub al-Khali auf – wer von den Wahiba Sands begeistert war, wird hier mit noch viel schöneren Ausblicken und Eindrücken belohnt. Selbst der Randbereich des „Leeren Viertels“ lässt uns staunend und voller Ehrfurcht die Schönheit der Wüste genießen.

