Die wunderschöne Region zwischen Gebirge und Meer war seit jeher von der Seefahrt geprägt und steht heute in der fruchtbaren Spannung zwischen Tradition und Moderne.
Zhejiang, Fujian, Guangdong,… fremde Namen, die kaum jemand in Europa verorten kann. Anders sieht es aus bei Kanton, Macau und Hongkong - die erstgenannten Provinzen bilden den geographischen Rahmen für diese bekannten Städte. Innerhalb Chinas nahm diese Region immer eine Sonderstellung ein, denn kein anderer Teil war traditionell so stark zum Meer orientiert. Während der Rest Chinas einen Großteil des Welthandels über seine Kanäle und Flüsse abwickelte, waren es die Seeleute des Südostens, die den Kontakt zum Rest der Welt über das Meer gesucht haben: Die „Seidenstraße des Meeres“ gehört ebenso zu diesem Phänomen wie die legendären Expeditionen des Eunuchen Zheng He. Als im 19. Jahrhundert, aber auch schon in den Jahrhunderten davor, viele Chinesen die Emigration wählten, waren es wiederum die Leute aus diesen Provinzen, die ihr Glück in Südostasien und Nordamerika gesucht haben. Umgekehrt waren die reichen Häfen der Region auch das erste Ziel europäischer Handels- und Expansionsbestrebungen, wodurch hier nicht nur das Einfallstor für westliche Errungenschaften, sondern auch für revolutionäre Ideen war. Es ist kein Wunder, dass so wichtige reformorientierte Persönlichkeiten wie Kang Youwei, Liang Qichao und nicht zuletzt Sun Yatsen allesamt Kantonesen waren.
Heimat des Weißen Tees
Das Ergebnis all dieser Einflüsse ist ein Reise¬gebiet mit sehr ausgeprägtem Charakter, sei es in der Architektur, in der Küche oder im Alltag der Bevölkerung. Dazu beige¬tragen hat auch, dass die Region durch Gebirge vom Rest Chinas getrennt ist und kaum Küstenebenen besitzt – das Zusammenspiel von Berg und Meer erzeugt auch den landschaftlichen Reiz des Gebiets. Wir werden diesen speziell am Taimushan (der auch die Heimat des Weißen Tees ist – Fujian ist eine der wichtigsten Teeanbauregionen der Welt), den 9-Drachen-Wasserfällen und im ¬vulkanisch geprägten Küstennationalpark von Zhangzhou erleben.
Küstenmetropolen
Vor allem Fujian ist die Provinz der traditionellen Küstenmetropolen: Fuzhou ist eine der großen unterschätzten Hauptstädte ¬Chinas mit einer enormen Zahl an Sehenswürdigkeiten innerhalb und außerhalb des großen, ausnehmend gut erhaltenen Altstadtkerns. Wesentlich jünger, aber durchaus mit Tradition, ist Xiamen (Amoy), einer der ersten Konzessionshäfen mit starker westlicher Präsenz seit den 1840er Jahren. Die Insel Gulangyu besitzt dementsprechend auch ein faszinierendes Ensemble westlicher Kolonialarchitektur und chinesischer Bauten und ist nicht umsonst Welterbe. Besonders faszinieren aber die großen historischen Häfen: Putian war nie ein politisches Zentrum, aber ein Handelszentrum von enormer Bedeutung und besitzt noch wichtiges architektonisches Erbe aus dem 11. Jahrhundert (Nördliche Song). Die interessanteste Stadt der Provinz, und eine der großen historischen Metropolen Chinas, ist aber Quan¬zhou. Nachdem Kanton in der Tang-Zeit (7.-9. Jh.) der überragende Hafen Chinas gewesen war, stieg Quanzhou im 11. Jahrhundert zu ¬einem global führenden Handelszentrum auf, das in Teilen noch sehr gut erhalten ist. Die Vielzahl der Reste aus dem Goldenen Zeitalter der Stadt und ihre Rolle als ehemals überragendes multikulturelles Zentrum veranlassten die UNESCO dazu, die Stadt 2021 endlich auf die Welterbe-Liste zu setzen. Wir werden Quanzhou daher auch ¬einen vollen Tag widmen.
Brückenbauer
China war immer das Land der besten Brückenbauer der Welt, so hat man in Hebei schon um 600 n. Chr. einbogige Segmentbogenbrücken mit einer Länge von 50 m geschafft. Im 11. Jahrhundert überspannte man in Südchina mit über 1 km langen Brücken Meeresarme oder sehr breite Flüsse, wie den in Chaozhou 520 m breiten Hanjiang – auch Guangdong besitzt abseits von Kanton faszinierende Städte, die bei unserer Reise am Programm stehen.
Tulou
Im Grenzgebiet von Fujian und Guangdong treffen wir auf die wohl rätselhafteste Gruppe der Han-Chinesen, die Hakka. Diese Volksgruppe ist im Laufe der Zeit aus Nordchina nach Süden gezogen und bildete hier geschlossene Dörfer, die für ihre einzigartigen, meist runden Wohnburgen, die Tulou (wörtlich „Erdgebäude“) berühmt sind. Wehrdörfer und befestigte Klanresidenzen sind in ganz China häufig zu finden, nirgendwo treten sie jedoch in so einer Konzentration auf wie im Südosten, wo sie ein sichtbares Zeichen des Überlebenswillens in unsicheren Zeiten sind, meist gegen Ende einer Dynastie, oder in unsicheren Lagen, etwa in von meist japanischen Piraten bedrohten Küstenregionen.
Meeresgöttin Mazu
Ein weiteres klassisches Kennzeichen der Region ist die teilweise überbordende Volksfrömmigkeit. Diese ist auch in der Mao-Zeit nie ganz erloschen und zum Beispiel in den trockenen Regionen Nordchinas durch den im Frühling so wichtigen Kult des Drachenkönigs immer präsent – noch stärker allerdings im Südosten. Hier steht vor allem die Verehrung der daoistischen, aus Fujian stammenden Meeresgöttin Mazu im Mittelpunkt, deren Hauptheiligtümer von unzähligen Pilgern aus der gesamten chinesischen Welt, vor allem Taiwan, besucht werden. Wir werden diesem Phänomen vor allem auf der Insel Meizhou, dem „Mekka der Mazu-Verehrer“ begegnen.
Im Perlfluss-Delta
Mehrere Tage werden wir uns im größten Ballungsraum der Welt, dem Perlfluss-Delta, aufhalten. Hier reiht sich eine Millionen-Metropole an die andere, durchsetzt mit traditionell ländlichen Regionen. Die Region besticht durch ihre einzigartige Vielfältigkeit: Hier prallen chinesische Kultur (Dongguan, Foshan) mit britischen (Hongkong) und portugiesischen (Macau) Einflüssen aufeinander, erleben wir die Ultramoderne im 1979 gegründeten Shenzhen im Kontrast zum fast 2500 Jahre alten Kanton.
Wir erkunden bei dieser China-Reise eine Region, die heute wieder die Rolle übernommen hat, die sie so lange innehatte: ein bedeutendes Wirtschaftszentren mit großer kultureller Relevanz. Vor allem haben wir hier den einmaligen Glücksfall, im südchinesischen Kontext ein reiches Erbe aus der Blütezeit Chinas (Tang und Song), aber auch aus allen folgenden Epochen bis in die Gegenwart vorzufinden, eingebettet in einen meist attraktiven, immer wieder auch wunderschönen landschaftlichen Rahmen.

