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KAPSTADT - KAAPSTAD - CAPE TOWN - MOTHER CITY

VON ELISABETH KNEISSL-NEUMAYER

 
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Kapstadt - Kaapstad - Cape Town - Mother City, erste Stadt der Kolonialzeit - 1666 wird das Castle of Good Hope der holländischen “Vereenigde Oostindische Compagnie” (bei uns besser bekannt als Dutch-East-India-Company) errichtet. Inmitten einer Landschaftskulisse, die nicht spektakulärer sein könnte: der Tafelberg, über den bestenfalls das „Wolkentischtuch herabfließt“, Lion‘s Head, Kaphalbinsel, das Weinland und nicht zu vergessen die False Bay mit Pinguinen und Walen bilden einen großartigen Rahmen für die schönste Metropole Südafrikas.

Kapstadt ist mit seinen 450.000 Einwohnern im engsten Stadtbereich bzw. 4,5 Mio. Einwohnern in der Metropolregion die zweitgrößte Stadt Südafrikas. Und es ist eine Stadt der Gegensätze - herrlichen Villenvierteln am Fuße des Tafelbergs oder rings um Constantia stehen schier endlose Townships mit Wellblechhütten und winzigen Häusern wie Gugulethu oder Khayelitsha gegenüber, noble Hotels in den Strandregionen im Gegensatz zu farbenprächtigen Häuser in Bo-Kaap, dem ehemaligen „Malaien-Viertel“. Gut die Hälfte der Bewohner der Metropolregion leben in den Townships, die aufgrund der Landflucht noch immer wachsen - gegründet für Schwarze und Coloureds, die man zu Zeiten der Apartheid aus dem Stadtzentrum vertrieben und ihnen hier neuen Wohnraum gegeben hatte. Der Großteil der Dienstleister in den Hotels, Restaurants etc. leben hier und gehören zu einem wesentlichen Teil zum Volk der Xhosa.

City Bowl
Eingebettet zwischen Tafelberg, Signal Hill und Lion‘s Head liegt das Stadtzentrum von Kapstadt - die sog. City Bowl, die u.a. von der Heerengracht und Adderley Street als wichtigste Hauptstraßen durchzogen wird. Hier liegt das Parlament von Südafrika, das Castle of Good Hope, aber auch das Tuynhuys, einer der beiden Wohnsitze des südafrikanischen Präsidenten inmitten des „The Company´s Garden“. Dem fantastischen Park sieht man kaum an, dass er 1650 als Gemüsegarten der “Vereenigde Oostindische Compagnie”/Dutch-East-India Company gegründet wurde - um hier entlang der Asien-Route frisches Gemüse aufnehmen zu können. Entlang der historischen Hafenbecken erstreckt sich heute die überaus beliebte Victoria & Alfred Waterfront: 1990 haben örtliche Investoren den - nach einem Boykott leerstehenden - alten Hafenbereich revitalisiert und ein Einkaufszentrum, Museen und gastronomische Einrichtungen geschaffen, die sich rasch großer Beliebtheit erfreuten. Heute ist der Blick über die V & A Waterfront zum Tafelberg ¬einer der ikonischen Ausblicke der Stadt.

Mein Lieblingsplatz im Stadtzentrum liegt in der Verlängerung der Waterfront - ein gewaltiger Getreidespeicher aus dem Jahr 1921 - 42 Getreidesilos wurden bis 2017 zum größten Kunstzentrum afrikanischer Gegenwartskunst, dem Zeitz-MOCAA Museum, umgestaltet. Allein der Blick auf die Architektur mit den angeschnittenen Silos, der Ausblick vom obersten Stock der Anlage, aber vor allem die einzigartigen Sammlungen des deutschen Wirtschaftsmanagers Jochen Zeitz sind grandios schön.

Botanischer Garten …
Einer der beliebtesten Besichtigungspunkte aller Besucher von Kapstadt (und natürlich auch von mir) ist der Botanische Garten von Kirstenbosch, der sich entlang des Osthangs des Tafelbergs erstreckt. Wo in den frühesten Anfängen der Stadt unter Jan van Riebeeck das Vieh weidete, wurde 1913 ein Botanischer Garten gegründet, der die unwahrscheinliche Artenvielfalt der Kap-Flora hervorheben wollte. Über mehr als 500 Hektar führen wunderbare Wanderwege zu den einzelnen typischen Vertretern des Kap-Florenreichs: Silberbaum- oder Proteen-Gewächse, Heide¬kräuter, Palmfarne, aber auch Aloen, Sukkulenten und Vertreter der Fynbos-Regionen sind hier zu bewundern. Hier ist ausschließlich südafrikanische Flora inmitten einer einzigartigen Landschaft zu finden!

… und Weinbau
Schon Jan van Riebeeck von der Dutch-East-India Company ließ erste europäische Rebstöcke in Kapstadt pflanzen, erst die Ankunft französischer Hugenotten Ende des 17. Jh. führte dazu, dass Weinbau professionell betrieben wurde. Von den idyllischen Wein¬bergen von Groot Constantia südlich von Kapstadt über Stellenbosch und Franschhoek mit sehr ansehnlichen kapholländischen Weingütern bis in die Kleine Karoo erstreckt sich das Weinbaugebiet. Eine Weinverkostung sollte in jedem Fall auf dem Programm stehen - eine Besonderheit ist der autochthone Pinotage, der hauptsächlich in Südafrika angepflanzt wird, aber auch Cabernet Sauvignon oder Shiraz und bei den Weißweinen Chenin Blanc und Sauvignon Blanc bieten sich an.

Kap der Guten Hoffnung und Pinguine
Ein MUSS-Ausflug führt auf die Kaphalbinsel bis zum Kap der Guten Hoffnung, das Sir Francis Drake 1580 passierte und als „the fairest Cape“, das schönste Kap bezeichnet hat. Beeindruckende Ausblicke bietet die Wanderung vom eigentlichen Kap der Guten Hoffnung bis zum Cape Point. Die Besonderheit des Nature Reserve liegt weniger in der Tierwelt - obwohl wir Straußen und Pavianen begegnen, sondern in der Pflanzenvielfalt. Man spricht vom Kapflorenreich, dem kleinsten der sechs kontinentalen Florenreiche der Erde, aber eindeutig dem artenreichsten mit mehr als 9000 Blütenpflanzenarten, von denen 70% endemisch sind.

Ebenfalls ein Muss entlang der Route sind die Boulders bei Simon‘s Town - 1982 haben sich hier 2 Brutpaare von Brillenpinguinen niedergelassen, damit begann der Aufstieg dieser „putzigen“ Pinguinart, die zu Hunderttausenden die Küsten der False Bay bevölkerten. Überfischung, Wasserverschmutzung und Klimawandel haben sie auf gut 10.000 reduziert. Von den Aussichtsplattformen kann man die ca. 45 cm großen Pinguine perfekt beobachten.

Einer der schönsten Ausblickspunkte auf die Küsten der Kaphalbinsel bietet sich bei Camp‘s Bay - die einzigartigen Felsforma¬tionen über den Sandstränden des Ortes, am Fuß der Bergkette der Zwölf Apostel, die sich bis Hout Bay erstreckt, ist einfach atemberaubend schön.

Projekt Menschenrechte im Tourismus
Als ich vor mehr als einem Jahr gemeinsam mit Mitgliedern des Roundtable für Menschenrechte im Tourismus (im Rahmen einer Bewertung von südafrikanischen Partner¬betrieben) in Kapstadt war, lernte ich u.a. verschiedene Projekte von Uthando in den Xhosa Townships von Kapstadt kennen und schätzen. Seit 2007 bemühen sich engagierte und philanthropische Menschen rings um James Fernie im Namen von Uthando (das Xhosa-Wort für Liebe), Millionen von Rand für unterschiedlichste Entwicklungsprojekte zu sammeln und umzusetzen. ¬Unter dem ¬Titel „Waste to Wonder“ werden aus Unmengen alter Reifen, Plastikflaschen und Abriss¬material Earthships errichtet, die heute bunte und einzigartige Schulen und Kindergärten beherbergen. Aber auch Mikrofarmen werden betreut wie Moya we Khaya, wo ¬ältere Xhosa-Damen gemeinsam biologisches Gemüse anbauen, um es an Hotels und Restaurants zu verkaufen. Es geht aber auch um Sport, Musik, Sozial- und Gesundheitsleistungen, Notunterkünfte u.v.m.

Kapstadt ist eine einzigartige Stadt, die man definitiv öfter als einmal besuchen sollte - den Abschied zelebriert man gern am Blouberg¬strand, vor dem sich die Stadt wahrscheinlich am schönsten präsentiert. Mit dem festen Vorsatz, ganz sicher wiederzukommen …

 
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