Unvergessliche EntdeckungsReise durch den Serengeti-Nationalpark, im Ngorongoro-Krater, am Großen Afrikanischen Grabenbruch und an den Hängen des Kilimanjaro.
Früher war ja alles viel einfacher. Ein Flugticket war noch aus Papier, das Telefonieren kostete noch ein halbes Vermögen und man wusste, dass die Gnus im August und September im Ausland, nämlich in Kenia, auf Urlaub waren.
Mit der globalen Erwärmung und damit zusammenhängend veränderten Regenzeiten ist es nicht mehr ganz so einfach. In den letzten Jahren regnete es in Teilen Ostafrikas deutlich mehr als in normalen Jahren, in anderen Gebieten desselben Großraumes weniger als üblich. Die wunderschönen Seen des afrikanischen Grabenbruchs, wie zum Beispiel der Lake Manyara oder der kleine Magadisee im Ngorongoro-Krater, sind auf die zehnfache Größe angewachsen. Die endlosen Grassteppen der Serengeti sind plötzlich zu Zeiten und an Orten, wo sie um die jeweilige Jahreszeit noch vor wenigen Jahren braun, trostlos und verdorrt waren, grün und hochgewachsen. Klima- und Niederschlagsschwankungen sind nichts Neues für die Tiere der Serengeti. Sie reagieren darauf in unnachahmlicher Weise: Sie migrieren. Das machen nicht nur die Tiere in Afrika. Zugvögel in Europa machen das genauso. Unsere Weißstörche kann man im Winter manchmal zu Tausenden in der Nähe des Naabi Hill Gates am Rand der Ngorongoro Conservation Area sehen. Auch Meeressäuger, Lachse, Schmetterlinge wandern. Die Bisonherden Nordamerikas und die Gazellen Asiens taten es, solange es sie noch in großer Anzahl gab.
Nirgendwo ist die Wanderung der Großwildherden allerdings so eindrücklich wie in Tansania.
Nicht nur 1,4 Millionen Streifengnus folgen der Spur des Wassers. Mit ihnen ziehen etwa drei- bis vierhunderttausend Steppenzebras und fast ebenso viele Thompson-Gazellen. Manchmal schließen sich ihnen dann auch noch andere Grasfresser und Raubtiere wie Löwen an.
Und Action!
Bis etwa 2015 folgte die Migration fast immer einem klaren geografischen Ablauf: Wenn drei Monate nach der kleinen Regenzeit die Kurzgrassavanne im Südosten der Serengeti ausgetrocknet war, brachen zuerst die Zebras und dann die Gnus auf und wanderten zu den Ndutuseen, wo es noch Wasser und saftiges Gras gab. Ungefähr im Mai ging es dann durch die Mitte des wohl schönsten Nationalparks der Welt in den Western Corridor, der sich bis zum Victoriasee zieht. Das war vor allem für die Tierfotografen und Dokumentarfilmer wichtig: Sie wussten, dort fließt der Grumetifluss und sie brauchen sich nur im Juli dort positionieren und warten, bis die Herden die Abbruchkante des Flusses erreichten. Dann ging es los: Oben die zögernden Gnus, unten die größten Nilkrokodile, ... und Action!
Von dort zogen diejenigen, die es geschafft hatten, weiter in Richtung Norden ins kenianische Masai Mara Gebiet. Ab Oktober ging es dann wieder zurück nach Tansania und im Osten der Serengeti durch die Baumsavanne südlich, bis sie wieder die Kurzgrassteppen in den Serengeti Plains erreichten. Dort trafen sie etwa im Dezember ein und kurz darauf kamen innerhalb weniger Wochen alle ihre Jungen zur Welt. Der geniale Trick der Evolution, alle Geburten zeitlich zu synchronisieren, führt zu einem Nahrungsüberangebot für die jagenden Hyänen und Löwen, sodass Jungtiere eine viel bessere Überlebenschance haben.
Ergriffenheit
Manchmal kann man, wenn man mit den Safari-Fahrzeugen vom Kraterrand des Ngorongoro in die Ebene hinunterfährt, schon von Weitem Hunderttausende von Tieren sehen und nicht selten passiert es dann, dass Mitreisende von dem Anblick so gerührt sind, dass sie im Auto zu flüstern beginnen, obwohl die Tiere noch kilometerweit entfernt sind und sie gar nicht hören könnten.
Woher kommt diese Ergriffenheit angesichts der Serengeti? Zum einen haben sicher sehr viele Tierinteressierte in ihrer Kindheit den oscargekrönten Dokumentarfilm „Die Serengeti darf nicht sterben“ gesehen, zum anderen aber macht es uns andächtig, zu realisieren, dass es auf unserem Planeten noch einen Ort gibt, wo der Mensch nicht der absolute Chef ist, sondern die Natur.
Allerdings haben wir Menschen es geschafft, das Klima schon so zu verändern, dass es heute nicht mehr ganz so leicht ist, die Großwildherden der Serengeti auf ihren Wanderungen zu finden, denn die Niederschlagspattern verändern sich permanent. Die Wildtiere dieses riesigen ostafrikanischen Savannenlandes wandern immer noch, nur werden die Wanderrouten immer komplizierter. Wahrscheinlich waren sie schon immer verwinkelter, als man lange Zeit angenommen hatte. Neueste Forschungen weisen darauf hin, dass die Tierwanderung nicht nur im Uhrzeigersinn um den Serengeti-Nationalpark herum, sondern je nach Niederschlägen auch wieder zurück und hin und her führen kann. Bernhard Grzimek und die Frankfurter Zoologische Gesellschaft erhielten aus diesem Grund vom damaligen Staatspräsidenten Nyerere den Auftrag, die Zugrouten der Gnus und Zebras zu erforschen. Nicht zuletzt deswegen, weil man die damals im Gebiet rund um die Serengeti lebende Bevölkerung nicht zu weit und unnötig absiedeln wollte.
Zusammenleben
In letzter Zeit wurde es üblich, diese Umsiedlung bei der Einrichtung des Nationalparks in den Fünfzigerjahren zu kritisieren. Zum Teil ist diese Kritik gerechtfertigt, zum Teil aber auch nicht. Von meistens eher schlecht informierten Autoren werden oft gleich mehrere Dinge außer Acht gelassen: Erstens waren die Maasai als aus dem Südsudan stammende Rinderzüchter erst vor ein paar hundert Jahren in das Gebiet eingewandert. Die Wildtiere lebten dort schon Millionen Jahre, und ursprünglich gab es in diesem Gebiet khoisansprachige Buschleute, wie sie auch heute noch vereinzelt am Eyasisee, südöstlich der Serengeti, als Jäger und Sammler leben. Die Maasai konnten ihre Rinder dort nicht halten, weil die durch die Tsetsefliege übertragene Trypanosomiasis Tierhaltung verunmöglichte. Und so war das Gebiet Anfang des 20. Jahrhunderts praktisch unbevölkert. Erst die moderne Veterinärmedizin erlaubt wieder Rinderhaltung in der Gegend. Zweitens dürfen die Maasai auch heute noch im Ngorongoro Schutzgebiet und umliegenden Reservaten, die fast so groß wie der Serengeti Nationalpark selbst sind, leben. Sie verdienen Geld nicht zuletzt dadurch, dass sie für Fotos posieren und dafür eine Gebühr kassieren. Das ist nicht so negativ, wie es klingt. Immerhin haben sie so auch etwas vom Tourismus.
Im Wesentlichen lässt sich sagen, dass von den Safaris im Norden Tansanias etwa eine halbe Million Menschen leben, die dadurch ein Einkommen haben. Das betrifft nicht nur die Fahrer und Ranger in den Parks, sondern auch die Angestellten in Lodges und Hotels, die Dienstleister rund um die Nationalparks, Safariunternehmen, Handwerker, Souvenirverkäufer etc., auch in umliegenden Städten wie Arusha, Moshi oder Musoma.
Vereinfacht gesagt: Der Tourist ist die Schlüsselspezies der Tierwelt Ostafrikas. Ohne ihn gäbe es wahrscheinlich die meisten der wilden Tiere nicht mehr, nur noch Rinder, Ziegen und Hühner.
Viel zu sehen!
Die globale Erwärmung verändert die größte Tierwanderung auf unserem Planeten. Umso wichtiger ist bei einer Reise die Zusammenarbeit der Reiseleiter und der Fahrer, um herauszufinden, wo sich die Tiere gerade befinden. Aber auch abseits der Big Five gibt es in den schönsten Nationalparks Tansanias unendlich viele interessante Tiere: Geparde, Servale, Hyänen, Kongonis, Topis, Impalas, Thompson- und Grantgazellen, Wasser-, Busch- und Riedböcke, Warzenschweine, Löffelhunde, Schakale, Nilpferde, Krokodile, Paviane, Meerkatzen, und, und, und ...
Allein am Lake Manyara und im angrenzenden Ngorongoro Reservat gibt es mehr Vogelarten als in ganz Europa. Die Störche, die in Europa mit zwei Arten vertreten sind, umfassen hier zehn Arten. Bei den Schwalben sind es für Europa vier bis fünf, hier aber mindestens fünfzehn Arten. Von den Eisvögeln gibt es in Europa eine, im Tarangire Nationalpark aber mindestens zehn Arten. Greifvögel kann man hier ca. 35 Arten entdecken: Etwas ist immer zu sehen im tierreichen Tansania!

