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YELLOWSTONE NATIONALPARK

VON GOTTFRIED BAUER

 
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Als ‚Colters Hölle’ wurden die Berichte bezeichnet, die der Jäger und Fallensteller John Colter von seiner Reise in den äußersten Nordwesten des heutigen Wyoming im frühen 19. Jahrhundert mitbrachte. Niemand glaubte dem Cowboy, dass es eine Gegend gäbe, wo heißes Wasser aus der Erde schießt und es zischt und brodelt wie in der Hölle. So wurden John Colter und Jim Bridger einfach als Lügner abgetan. Erst ab 1870 begann sich die öffentliche Meinung für die Naturwunder von Yellowstone – inzwischen als erwiesen angesehen - zu interessieren. General Washburn bezeichnete die Gegend ‚Land of the Yellow Stone’, nach den gelben Felsen, die den fantastischen Wasserfall am Oberlauf des Yellowstone River zieren. Eine weitere Expedition 1871, zu welcher der Maler Thomas Moran zählte, kam zu dem Ergebnis, dass die Gegend ein ganz besonderer Ort sei, und schon ein Jahr später wurde Yellowstone offiziell zum Nationalpark erklärt – damit ist er zugleich auch der weltweit älteste seiner Art. Natürlich war damals der Naturschutzgedanke noch nicht im Vordergrund der Nationalparkidee – vielmehr sah man die einmaligen geothermischen Phänomene als gute Möglichkeit zu einem ‚Vergnügungspark’ der besonderen Art. Die Tierwelt – heute einer der größten Anziehungspunkte von Yellowstone – wurde von den ersten Besuchern kaum erwähnt – kein Wunder, waren doch Bären, Elche und sogar Wölfe damals im Westen der USA noch allerortens anzutreffen. Heute ist dies anders, und der Yellowstone Nationalpark gilt als ‚Insel der Bären’, die in den Kulturlandschaften der Umgebung keinen Lebensraum mehr finden. Auch unzählige weitere, in anderen Gebieten stark dezimierte Tierarten, trifft man in Yellowstone an: Die Bisons, einst das wichtigste Tier im Leben der Prairie-Indianer Sioux, Blackfoot und Crow und in unglaublich großen Zahlen in den Prärien des mittleren Westens heimisch, waren an der Schwelle zum 20. Jahrhundert durch die rücksichtslose Jagd der europäischen Neuankömmlinge fast ausgerottet. In den letzten Jahrzehnten erholte sich der Bestand der Tiere, und der Yellowstone Nationalpark besitzt eine der größten Populationen dieser gewaltigen Tiere. Darüber hinaus findet man z.B. an den Sinterterrassen von Mammoth Hot Springs große Herden von Wapitis und praktisch überall im Park kann man mit etwas Glück Elchen, Weißkopfadlern – auch der amerikanische Wappenvogel ist in den ‚Lower 48’, den zusammenhängenden US-Bundesstaaten, weitgehend verschwunden – und den seltenen Trompeterschwänen begegnen.

Für Geologen ist Yellowstone ohnedies eine der interessantesten Gegenden Nordamerikas. Sie sind natürlich in erster Linie an der Bedrohung interessiert, die sich im Inneren der Erde verbirgt: Schon mindestens 3 x ist der gewaltige Vulkan, dessen zusammengebrochener Krater seit dem letzten Ausbruch vor rund 600.000 Jahren eine Grundfläche von 45 x 75 km Grundfläche besitzt, ausgebrochen. Geologen halten einen neuerlichen Ausbruch, der für das Leben in den gesamten Vereinigten Staaten verheerende Folgen haben könnte, keinesfalls für ausgeschlossen. Beim letzten Ausbruch explodierte praktisch die gesamte Landschaft in der Mitte des heutigen Parks und Ströme rasch fließender Aschen bedeckten Tausende Quadratkilometer. Yellowstone gilt als sogenannter ‚Super-Vulkan’: Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Vulkanen liegt in der freigesetzten Energie. Diese kann der eines Meteoriteneinschlags gleichkommen.

Der Ausbruch eines ‚Super-Vulkans’ kann durch die gewaltigen Aschemengen, die in die Atmosphäre gelangen, die Sonneneinstrahlung blockieren und dadurch einen Temperaturrückgang – vergleichbar mit einem nuklearen Winter – bewirken. Es gibt weltweit nur eine Handvoll Super-Vulkane, so beispielsweise den Toba auf Sumatra, dessen Ausbruch vor 74.000 Jahren die weltweiten Temperaturen um bis zu 10° C sinken ließ, sowie eine Caldera auf den Plegräischen Feldern nördlich von Neapel. Der Ausbruchszyklus des Yellowstone wird auf alle 640.000 Jahre geschätzt. Da der letzte Ausbruch etwa 600.000 Jahre zurückliegt, ist also eine weitere Eruption überfällig. Vulkanologen erkannten in den letzten Jahren darüber hinaus ein Ansteigen der Erdkruste um stellenweise bis zu 10 cm, was auf vermehrte Aktivität zurückzuführen sein könnte. Doch Yellowstone bietet noch deutlich mehr als die geothermischen Phänomene. Riesige Wälder, schroffe Gipfel, rauschende Wasserfälle und glasklare Seen findet man in dem Schutzgebiet, das fast 9000 km² Fläche aufweist. Die Wälder sorgten auch für eine der größten Naturkatastrophen in der jüngeren Geschichte Yellowstones. Seit den 1960ern ging die US-Nationalparkbehörde dazu über, Waldbrände nicht mehr konsequent zu löschen, sondern zunächst ohne menschliche Eingriffe zu belassen, weil auch das Feuer zum natürlichen Zyklus der Wälder gehört. Dies führte v.a. im Sommer 1988 zu heftigen Diskussionen innerhalb der amerikanischen Gesellschaft. Im Yellowstone Nationalpark wüteten damals Feuersbrünste, die letztlich 40 % der Fläche des Nationalparks verwüsteten. Nicht nur Präsident Reagan war schockiert über die Zerstörungen in diesem Juwel der USA und forderte, zur traditionellen Brandbekämpfung zurückzukehren, doch mittlerweile hat sich die Debatte abgekühlt und die Brände werden weiterhin nur ‚unter Kontrolle gehalten’. Die Folgen des großen Feuers werden im Park noch lange Zeit zu sehen sein, und auch in den letzten Jahren suchten immer wieder große Brände die Region um Yellowstone heim, doch scheint sich die Öffentlichkeit mittlerweile an diese Nachrichten gewöhnt zu haben. Die Berge im Yellowstone Nationalpark ragen auf bis zu 3.400 m auf. Dies wird jedoch durch das Wissen relativiert, dass der gesamte Park auf einer Hochebene zwischen 2.500 und 2.800 m liegt. Diese exponierte Lage bringt strenge Winter mit sich, oft liegt noch bis in den Mai Schnee im Park. Die schönste Jahreszeit für einen Besuch von Yellowstone ist Juni und Juli, während im August und September, nach den trockenen Sommermonaten, oft die grünen Weiden bereits im ‚kalifornischen’ Gold leuchten. Yellowstone ist an allen Ecken und Enden einer der attraktivsten amerikanischen Nationalparks. Von den Wasserfällen am Yellowstone River über die Tierwelt im Hayden Valley zu den Sinterterrassen von Mammoth Hot Springs: Yellowstone lohnt auf jeden Fall einen Besuch!!!

 
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