Vom winterlichen Bergen geht es mit Hurtigruten auf der Postschiffroute entlang Norwegens Fjordwelten bis zum tief verschneiten Nordkap und nach Kirkenes – immer auf der Suche nach dem magischen Polarlicht.
Der Himmel ist fast wolkenlos in der arktischen Nacht. Plötzlich ziehen grün flackernde Schleier am Horizont, schwirren in bizarren Formationen über das Firmament. Ein unglaubliches Farbspiel beginnt, verzaubert den Himmel – mal kurz in Wellen tanzend, dann wieder als leuchtender Nebel. Polarlichter – einfach unwirklich schön.
Leinen los in Bergen
Wer neben der winterlichen Küstenfahrt auch eine der schönsten Bahnreisen Norwegens erleben möchte, sollte von Oslo mit der Bergenbahn anreisen. Die Reise führt durch Bilderbuchlandschaften auf die verschneite Hochebene Hardangervidda (1200 m). In Bergen beginnt die „schönste SeeReise der Welt“, vorher ist genug Zeit, um die charmante ¬UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt kennenzulernen. An die lange Geschichte erinnern die bunten Holzhäuser von Bryggen, wo die hanseatischen Kaufleute ihre Kontore und Lagerhäuser unterhielten. Wir erleben den Fischmarkt und eine pittoreske Altstadt, genießen die Aussicht vom Hausberg Fløyen. Bergen und der Süden Norwegens liegen südlich des berühmten Polarkreises. Somit gibt es hier auch im Winter Tageslicht. Wir freuen uns jedenfalls in der chilligen Hurtig¬ruten Lounge auf die Einschiffung und den Beginn unserer SeeReise. Durch den Hjelte¬fjord geht es nordwärts, in den nächsten Tagen und Nächten sind Seevögel und Delfine unsere Begleiter. Und wir werden 34 Häfen ansteuern. Die Jugendstilstadt Ålesund begrüßt uns zu ¬einem winterlichen Stopp - Zeit fürs Flanieren und Kaffeetrinken.
Die Postschiffroute
Bereits 1893 versorgte man Nordnorwegen per Schiff, es war das Geburtsjahr der Postschifflinie Hurtig Ruten („Schnelle Route“). Sie wurde sehr rasch zu einer tagtäglichen Linie von Bergen bis Kirkenes ausgebaut, zuständig für den Transport von Gütern, ¬Lebensmitteln, Personen - und Post. Heute bilden die Touristen die Haupteinnahmequelle, wie jeher werden täglich Güter nordwärts verschifft.
Reisen und entdecken
Natürlich bleibt auch viel Zeit, unser Schiff kennenzulernen. Das 123 m lange Passagierschiff ist mit bis zu 18 Knoten unterwegs und hat 476 Betten. Generell sind die Schiffe auf der Postschiffroute viel kleiner und wendiger als die Kreuzfahrtriesen, um auch küstennahe enge Passagen zu bewältigen. Dazu kommt die sehr ansprechende, skandinavische Inneneinrichtung - „koselig“ sagen die Nordländer - gemütlich und lebenswert muss es sein.
Der Spruch „Klasse statt Masse“ wird an Bord gelebt. Freundlichkeit und Service (viele Angestellte leben entlang der Strecke) sowie eine feine nordische Küche sorgen für ein angenehmes Zuhause auf See. „Den Blick auf die Uhr vergessen, das Mobiltelefon ausschalten und dem Rhythmus der vorbeiziehenden Küstenlandschaften und dem entspannten Bordleben folgen“ empfiehlt David Gradin, Leiter des Expeditionsteams, bei der Begrüßung. Der Unterschied zu den Riesenkreuzfahrtschiffen ist groß: Wir sind zumeist in Sichtweite zu Land. Wir durchfahren fast in Griffweite spannende Fjorde und Schärenlandschaften, erleben die Tier- und Vogelwelt - ganz im Gegensatz zu den Kreuzfahrtgiganten, die ja weit draußen am Meer von Landepunkt zu Landepunkt hetzen. Eines müssen allerdings alle Nordlandreisenden sehr rasch akzeptieren: Winterwetter gehört zur SeeReise dazu.
Königsstadt und Arctic Circle
Ein interessanter Citytrip wartet in Trondheim, immerhin die drittgrößte Stadt des Landes. Zu Fuß lassen sich die bunten auf Holzpfählen erbauten Speicherhäuser, die rote Stadtbrücke, die Klosterruinen und der mächtige ¬Nidarosdom, die Krönungskirche der norwegischen Könige, gemütlich erkunden. Vorbei an hunderten Inseln und dem spektakulären Leuchtturm Kjeungskjær geht es nordwärts. Die Fotografen finden auf den Decks die besten Fotospots, die Genießer freuen sich über riesige Panoramafenster in der Explorer Lounge. Zwischen Nesna und Ørnes wird (bei 66 Grad 33´ 51´´) der Polarkreis überquert, durch einen Metallglobus auf einer Schäre gekennzeichnet.
Wikinger und Norwegian Coastal Kitchen
Mächtige Felsspitzen kündigen die berühmte Inselgruppe der Lofoten an. Von den Wikingern noch als „Insel der Götter“ bezeichnet, wurden sie ab dem 12. Jh. zum „Archipel des Kabeljaus“: Tausende Fischer lieferten ab dieser Zeit Stockfisch, an der Luft getrockneten Dorsch, gewinnbringend nach Bergen. Von Stamsund bietet sich ein Ausflug zum Lofotr Wikingermuseum an. Es ist der Nachbau des mit 83m Länge größten gefundenen Langhauses in Norwegen. Kostproben deftiger Wikingerküche dürfen nicht fehlen. Apropos Küche: Hurtigruten hat sich durch seine Norway´s Coastal Kitchen verpflichtet, die Bordküche mit frischen, regionalen Zutaten zu versorgen.
Nach dem Besuch in Svolvær, Hauptort der Lofoten mit seinen typischen roten Fischerhütten, wird es nach einem abendlichen Menü im Restaurant wieder spannend. Der Raftsund gehört zu den wohl dramatischsten Hurtigruten Passagen, über 1000 m ragen die Lofotenberge in den Himmel.
Paris des Nordens - Stadt des Nordlichts
Tromsø hat eine fantastische Lage, eine charmante Altstadt, viel Kultur, Lokale und Museen – sie gilt als die nördlichste Universitätsstadt der Welt und Norwegens „Tor zur Arktis“ – wir spazieren über die Tromsøbrua zur berühmten Eismeerkathedrale. Tromsø gilt als einer der besten Orte Nordnorwegens, um das Polarlicht zu erleben. Kein Wunder, denn die Stadt liegt rund 350 Kilometer nördlich des Polarkreises. Damit beginnt bei klarem nächtlichem Himmel – und wenig künstlichem Lichteinfall – die Jagd nach dem magischen Leuchten. Wird von der Crew während der Fahrt das Polarlicht entdeckt, gibt es „Nordlichtalarm“. Dann heißt es auch zu nachttrunkener Stunde schnell sein und an Deck eilen.
Leinen los – und zum Nordkap
Viele Wege führen zum Nordkap, wir nehmen das Postschiff entlang Norwegens wild¬romantischer Küste, dann weiter zum Wendepunkt nach Kirkenes. Hammerfest begeistert als Stadt, das pittoresk gelegene Honningsvåg ist der Hafenstopp für die einstündige Busfahrt durch einsamste arktische Landschaft zum Nordkap. Wir haben Wetterglück, stehen auf der über 300 m hohen Nordkapklippe, schauen in die Unendlichkeit nach Norden. Ein faszinierender Moment, denn vom 11. Mai bis zum 31. Juli geht hier die Sonne nicht unter, in den Wintermonaten regiert monatelang die Dunkelheit.
Wendepunkt Kirkenes
Die weite Bucht von Kirkenes ist erreicht. Durch Bergbau wurde die Stadt wohlhabend – jetzt ist der Bergbau passé, Fischfang und Tourismus sorgen für neue Blütezeiten. Uns lockt die „Königskrabbentour“, nach einer rasanten Snowmobil Tour fischen wir auf ¬einem zugefrorenen See im Eisloch nach „King crabs“ - und verkosten diese dann auch. Anschließend genießen wir das Ambiente im örtlichen Schneehotel, dann geht es mit Spannung zurück an Bord. Schließlich warten auf der Rückfahrt südwärts all die Häfen und Naturschauspiele, die wir bei der Nordtour ohne Stopp passiert haben.

