ePrivacy and GPDR Cookie Consent management by TermsFeed Privacy Generator
Zurück zur Übersicht
 

SPANIEN: VON VALÈNCIA ÜBER CUENCA NACH PEÑÍSCOLA

VON ELISABETH KNEISSL-NEUMAYER

 
Valencia_Spain_Panorama_024(C)FotoJulius.jpg
 

València ist ganz eindeutig immer eine Reise wert, doch gibt es im Umkreis von València so viele einzigartige und wenig besuchte Städte und Dörfer, dass es sich eindeutig empfiehlt, seine Reise ein wenig auszudehnen. Es beeindrucken die UNESCO-Welt¬erbe-Städte Cuenca und Teruel, die wunderbaren, leider fast menschenleeren Dörfer des Maestrazgo und Peñíscola, die Stadt des letzten Gegenpapstes aus Avignon, Benedikt XIII, Papa Luna genannt.
 
Vom Flughafen València geht es rasch nach Westen in die Region Kastilien - La Mancha; wir passieren die exzellenten Weinberge von Utiel und Requena, die noch zu València gehören, und tauchen dann in eine Landschaft lichter Wälder mit zahlreichen Steineichen und Kiefern ein, in denen auch Schafherden weiden, die die Milch für den erstklassigen Manchego-Käse liefern. Früher war es die Wolle, die den Reichtum brachte, heute ist der Käse sehr beliebt. Auf 1000 m Seehöhe erwartet uns die Provinz Cuenca mit ihrer gleichnamigen Hauptstadt, die sich prachtvoll über den gewaltigen Schluchten der Flüsse Júcar und Huécar auf einem steilen Felssporn erhebt. Wie aus dem Fels gewachsen erscheint sie uns - und manchmal scheinen die Häuser über der Schlucht zu schweben. Dafür ist sie auch weltberühmt - und die Casas Colgadas (hängende Häuser) von der UNESCO mit dem Welterbe-¬Titel ausgezeichnet worden. Aber es gibt noch viel mehr zu sehen - für die kleine Gemeinde der Altstadt (früher 5000, heute nur mehr knapp 1800) eine riesige, mehr als prunkvolle Kathedrale, die uns mit lichten modernen Glasfenstern, wunderbaren Seitenkapellen, einem einzigartigen Kapitelsaal und atemberaubend schönen Artesanado-Decken beeindruckt. Das Thema „Moderne Kunst“ begleitet uns überall in der Altstadt. In einem der hängenden Häuser ist die Sammlung Juan March untergebracht, eine der ersten Sammlungen abstrakter Kunst in Spanien. Im nahen Karmelitermuseum kann man die Sammlung Antonio Pérez bewundern - Gegenwartskunst vom Feinsten. Dazu kommen die einzigartigen Ausblicke, die wunderbar bunten Häuser von Cuenca – ein echter Geheimtipp! Wir logieren in einem alten Kloster, dem Parador von Cuenca, und genießen die Nähe zur Altstadt.
 
Ciudad Encantada und Albarracín
Inmitten der Serranía de Cuenca liegt auf einer Seehöhe von ca. 1400 m eine grandiose Felslandschaft aus Dolomit-Gestein, die während der Kreidezeit entstanden war - die „verwunschene“ Stadt Ciudad Encantada. Gewaltige Fels-Keulen ragen auf, riesige steinerne Schiffe liegen hier vor Anker, mächtige Steinpilze und Naturbrücken und ein steinernes Meer begeistern uns. Durch diese Zauberlandschaft führt ein 3 km langer Wanderweg, der uns an jeder Biegung neu staunen lässt. Der Naturpark der Serranía de Cuenca gehört zum Iberischen Randgebirge, das uns im weiteren Verlauf mit einzigartigen Schluchten und Passstraßen an der Grenze der La Mancha und der Region Aragón erwartet. Inmitten dieser Bergwelt liegt auch die orientalisch-mittelalterlich anmutende Festungsstadt Albarracín, die aus der Zeit gefallen scheint. In einzigartigem Ockerrot erhebt sie sich hoch über das Flusstal des Guadalaviar, geschützt von mächtigen Stadtmauern und Türmen, überragt von den Kirchtürmen der Kathedrale und der Santiago-Kirche. Die schönsten Ausblicke genießen wir von den beiden Kirchen - oder wir steigen hoch auf den Felssporn zum Torre El Andador.
 
Teruel
Teruel zählt zu den 15 Welterbestädten der UNESCO in Spanien - wobei sie von der Anzahl der Besucher genauso wie Cuenca zu den absoluten Geheimtipps zählt. Unsere Reisegäste sind immer sehr beeindruckt von den Türmen von Teruel - hier spielt die Mudéjar-Kunst die Hauptrolle. Ausgeführt von moslemischen Architekten und Handwerkern für christliche Kirchen mit der ganzen Formenvielfalt maurischer Kunst, die wir hier bewundern dürfen. Die Kirchtürme von San Martín, San Salvador, San Pedro sowie der Kathedrale haben eine Anmutung, als würden sie für einen prächtigen Bau in Nord¬afrika geplant worden sein. Zauberhafte Ziegelarchitektur mit bunten Fayence-Mustern und gotischen Fenstern - wessen Fantasie entsprangen diese einzigartigen Türme, die wir so weder in Spanien noch in Nordafrika finden können? Die Mudéjar-Kunst hat hier auch eine der großartigsten Kirchendecken des spanischen Mittelalters geschaffen: eine gut 36 m lange Artesanado-Decke, deren bemalte Platten nicht nur die Passion Christi oder christliche Ritter zeigen, sondern auch Männer und Frauen aus der Stadt, Christen, Juden und Moslems, Könige und Königinnen, Bauarbeiter und Zimmerleute, Tänzerinnen und Ärzte - ein wahres Kaleidoskop des Alltags hier im 14. Jh. Die lebendige Stadt mit gut 37.000 Einwohnern ist auch bekannt für den köstlichen Schinken - den ersten Schinken Spaniens mit Herkunftsbezeichnung!
 
Im Maestrazgo
Im östlichen Teil der Provinz Teruel erstrecken sich die gut 2000 m hohen Bergzüge des Maestrazgo oder Maestrat, durchsetzt von kleinen grünen Feldern, Canyons, wenigen Dörfern, immer wieder Burgen. Durch dieses „leere Spanien“ (Buchtipp: „Leeres Spanien“ von Sergio del Molino) führte einst im späten 11. Jh. der „Camino del Cid“ - der Weg des spanischen Nationalhelden El Cid (Rodrigo Díaz de Vivar) von Burgos bis València. Gut 130 Jahre nach seinem Tod entstand das Heldenepos „El Cantar de mio Cid“, das auch von den Dörfern erzählt, die wir hier besuchen: Cantavieja, das wie Cuenca aus dem Felshang zu wachsen scheint, das bezaubernde, perfekt renovierte Mirambel sowie die Festungsstadt Morella, die El Cid zweimal erobern musste. Die Festung Morella liegt auf einem herausragenden Felssporn, unter dem sich die Ortschaft gruppiert - auch hier haben Wolle und Wollverarbeitung den Reichtum im Mittelalter gebracht. So konnte man eine herrliche gotische Kirche erbauen - Santa Maria La Mayor, deren Orgelempore inkl. Jüngstem Gericht ganz herausragend ist. Mit Morella sind wir zwar noch im Maestrazgo, aber bereits in der Region València und der nördlichen Provinz Castelló angekommen.
 
PEÑÍSCOLA
Durch Oliven- und Orangenhaine folgen wir der Straße hinunter zum Meer in den schönen Ort Peñíscola, dessen Altstadt auf einer felsigen Halbinsel weit ins Meer hinausragt. Befestigt von den Mauren, dann von den Christen ausgebaut, bot die Burg dem letzten der Gegenpäpste aus Avignon - dem spanischen Benedikt XIII - eine letzte Zufluchtstätte. Überall in der hübschen Altstadt erinnert man sich an „Papa Luna“ (so sein Familienname) - der Name klingt gut in der Tourismuswerbung des Ortes. Der Großteil der Besucher kommt aber wegen des endlos langen wunderbaren Sandstrandes, der sonnenhungrige Badegäste anzieht.
Ein letzter Abstecher Richtung València führt nach Vilafamés, einen entzückenden kleinen Ort, der aus rotem Sandstein auf mächtigen roten Sandsteinfelsen errichtet wurde - ein Kleinod abseits der Touristenströme.
 
Wieder in València
Dann nimmt uns wieder València mit seinem Charme gefangen: Wussten Sie schon, dass València von der UNO Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO als eines der wichtigsten historischen Landwirtschaftssysteme weltweit ausgezeichnet wurde - SIPAM ist der nahezu unbekannte Titel dafür, zu dem jetzt die Huerta de València zählt. Vor mehr als 1200 Jahren wurde die Umgebung des maurischen Balansiya in einen riesigen fruchtbaren Garten verwandelt - dank der einzigartigen Bewässerungstechnik und der vernünftigen Aufteilung des Wassers. Schon im 10. Jh. hat man ein Wassergericht eingerichtet, um die sozial-gerechte Verteilung zu überprüfen - Wasser war extrem kostbar und damit lebensnotwendig. Bis zum heutigen Tag bestehen diese Bewässerungskanäle und bis heute trifft sich das Wassergericht jeden Donnerstag vor dem Aposteltor der Kathedrale von València (das Wassergericht zählt zum immateriellen Welterbe). Bis zu 4 Ernten sind hier im Jahr möglich - nach Reis oder Erdmandeln folgen Fisolen, Tomaten und Zwiebel oder entsprechend andere Früchte.
Erdmandeln reifen wie Kartoffeln langsam im Boden heran - eine Super-Frucht, die glutenfrei und voller gesunder Mineralien ist. Aus ihr wird eines der beliebtesten Getränke der Stadt hergestellt - Orxata oder Horchata, sog. Erdmandelmilch, die aber weder mit Milch noch mit Mandeln zu tun hat. Die Bewohner von València lieben sie! Wo sie am Stadtrand von València angebaut, getrocknet und verarbeitet wird, sehen wir bei einem Spaziergang „durch die Felder“ und verkosten dann natürlich das köstliche Getränk.
Was die Stadt València so reizvoll macht, ist die großartige Mischung aus einzigartiger mittelalterlicher Altstadt (mit Kathedrale, Stadttürmen und der sagenhaft schönen Seidenbörse) mit wunderschönen Jugendstilbauten (wie den beiden Märkten Mercat Colon und Mercat Central) und den noch immer einzigartig modernen Bauten von Santiago Calatrava in der Stadt der Künste und Wissenschaften. Eine lebendige Stadt mit vielen guten Lokalen und Bars, mit herrlichen Museen, wo u.a. dem Impressionisten Sorolla gehuldigt wird (wie Calatrava ein Sohn der Stadt), und einem ausgeprägten Sinn zum Feiern. Das schönste Frühlingsfest Europas wird in València gefeiert - die Fallas am Josefitag, dem 19. März. Alles Alte muss raus - heutzutage im bildlichen Sinn von riesigen humorvollen Figuren, die in der Nacht von 19. auf 20. März ein Raub der Flammen werden, um Kopf und Haus zu reinigen. Diese Crema gehört zu den großartigsten Erlebnissen in Spanien - aber auch der Tag der Reconquista im Oktober oder Silvester werden in València mit großem Pomp gefeiert.

 
nach oben