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FRANKREICH: AQUITANIEN - ROMANIK, AUSTERN, WEIN UND MEER

VON MAG. LEO NEUMAYER

 
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Der Ausgangspunkt für eine Aquitanien-Reise ist selbstverständlich Bordeaux, die immer wieder besuchenswerte Hauptstadt der Region Nouvelle Aquitaine. Vom Girondisten-Denkmal (zu Ehren der gemäßigteren Vertreter der Französischen Revolution) aus empfiehlt sich ein Rundgang durch die herrliche UNESCO-Welterbe-Altstadt zum großen Theater, zur Kathedrale und zum ehemaligen Rathaus mit der grande cloche (große Glocke) sowie zum Platz der alten Börse, die sich prachtvoll im Miroir d’eau spiegelt: Romanik, Gotik, viel Klassizismus, bezaubernd schöne Plätze, lauschige Gassen, üppige Märkte, wunderbare Lokale, gutes Essen und Trinken erwarten uns hier - wir sind schließlich in der Bordeaux-Weinbauregion.

MÉdoc und Gironde
Im Norden und Osten der Hauptstadt breiten sich die berühmten Weingüter des Médoc aus, eine beeindruckende Halbinsel mit imposanten Weinschlössern und mit klingenden Ortsnamen wie Margaux, Saint-Estèphe oder Pauillac. Möglichkeiten zum Kauf und zum Verkosten der Weine oder einfach zum Genießen dieser speziellen Landschaft gibt es in Hülle und Fülle.

Soweit das Auge reicht, bietet das Medoc-Weinbaugebiet zu beiden Seiten der gewaltigen Gironde - dem Mündungstrichter von Garonne und Dordogne - eine eigene Kulturlandschaft.

In Soulac-sur-Mer lassen wir eine immer wieder von den Dünen gefährdete Kirche entlang des Jakobsweges auf uns wirken, genießen aber auch den lebendigen Ort westlich der Girondemündung am Atlantik.

Nördlich der Gironde liegt die Hafenstadt Royan - einen historischen Ortskern gibt es kaum; hier tobte der 2. Weltkrieg und zerstörte den Großteil der Stadt. Das markanteste Gebäude ist die Kathedrale – ein Bau aus Beton und Buntglasfenstern (1955 fertiggestellt) mit intensiver Wirkung.

Eine überraschende Exkursion führt uns zum Leuchtturm Phare du Cordouan, der etwa sieben Kilometer vor der Girondemündung im Atlantik thront. Die Fahrt dorthin ist aufregend (und nur bei Ebbe möglich), der barocke (!) Leuchtturm eine Sensation – und UNESCO-Weltkulturerbe. Er ist seit 1611 in Betrieb und erhebt sich auf einem Fels­sockel bis 60 Meter Höhe – nach 310 Stufen wird man mit einem herrlichen Rundblick belohnt!

Inseln im Atlantik, bezaubernde Orte an der Küste
Die der Küste vorgelagerten Inseln im ­Atlantik sind hochinteressant und auf jeden Fall einen Besuch wert: Zuerst wenden wir uns der Île d’Oléron zu - mit wunderschönen Sandstränden, traumhafter Natur und Muschelzucht, vor allem Austernbänken. Der Besuch eines Austernbetriebes mit Verkostung ist ein „Muss“. Wunderschön bunt sind die (eher historischen) Hütten der Austernzüchter, besonders schöne und bunte Cabanes kann man in Le Château d’Oléron bestaunen – und fotografieren.

Eine andere sehr reizvolle und lebendige Insel ist die Île de Ré mit Salzgärten, die wir auch erkunden wollen, Leuchttürmen (besonders der Phare des Baleines im äußersten Westen) und hübschen Orten. Besonders malerisch ist der Hauptort Saint Martin de Ré, wo wir auch das beliebteste Souvenir der Insel, Fleur de Sel, erstehen können.

Auch die einst bedeutendste barocke Seilerei und Marinebasis in Rochefort ist einen Besuch wert, bevor wir die Bilderbuchstadt La Rochelle erreichen. Der einst größte ­Atlantikhafen Frankreichs besticht durch seine unversehrte Altstadt mit vielen Palästen, Kirchen, Festungstürmen, aber auch Bars und Restaurants (natürlich mit allen Arten von Fisch- und Meeresfrüchten auf den Speisekarten). Herrlich ist der Blick über den Hafen mit den alten Befestigungsanlagen Richtung Meer und ebenso vom Hafen zur Altstadt mit dem Uhrturm. Nicht umsonst war La Rochelle ein Lieblingsort von Größen wie George Simenon, Yves Montand oder ­Simone Signoret.

Poitou-Charentes
Wir sind in der großen Region Neu-Aquitanien unterwegs (so groß wie Österreich), die sowohl die grandiosen Küsten umfasst, aber auch die historisch bedeutsame Region Poitou-Charentes: Das Tal der Charente ist überreich „geschmückt“ mit meist romanischen Kunst- und Kulturdenkmälern, die für kunstaffine Besucher einfach nur atemberaubend schön sind.

Daher statten wir selbstverständlich auch Saintes mit seinem gallo-römischen Erbe einen Besuch ab - Amphitheater, Germanicusbogen und vor allem die romanische Pilgerkirche Saint-Eutrope begeistern uns, aber auch die einsam auf einem Feld gelegene Kirche von Châtres lassen wir mit ihrer reinen Romanik auf uns wirken!

Nach so viel Kunst und Kultur bietet Cognac eine willkommene Abwechslung - wir besuchen die historisch interessanteste Kellerei (im Schloss und Geburtsort von König Franz I) und verkosten den edlen Weinbrand - ­Cognac von Otard!

Poitou-Charentes bietet aber auch viele andere Facetten, es ist eine schlösserreiche Region: Das bedeutendste – Château de La Rochefoucauld – zählt zu den schönsten Renaissanceschlössern Frankreichs. Und hier blicken wir auch weit zurück in die Geschichte Frankreichs - die außergewöhnlichen neolithischen Hügelgräber von Bougon (4800 v. Chr.) hatten bei ihrer Entdeckung im Jahr 1840 großes historisches Interesse hervorgerufen. Die zahlreichen Grabbeigaben wie Keramik, Schmuck etc. sind im modernen Museumsbau zu bewundern.

Poitiers - Hochburg der Romanik
Schließlich erreichen wir die bedeutendste Stadt der Region: Poitiers! Es ist eine Wunderwelt romanischer Baukunst, in der uns fantastische Gotteshäuser wie Notre-D­ame-la-Grande, Sainte-Radegonde und das Baptisterium Saint-Jean, das älteste christliche Bauwerk Frankreichs, erwarten. Kirchen über Kirchen in der angenehm lebendigen Atmosphäre der Stadt Poitiers.

Damit nicht genug – wunderbarste romanische Fresken erwarten uns in Saint-­Savin-sur-Gartempe (eine Reise durch die bunte Welt des Alten Testaments) oder die vielleicht originellsten romanischen Kapitelle in faszinierender Farbigkeit der Kirche Saint-Pierre von Chauvigny. Bekannte und viele zu Unrecht unbekannte Wunder der Architektur erleben wir in der Umgebung – etwa Melle, Aulnay oder Angoulême, bevor wir die Reise mit Köstlichkeiten aus Küche und Keller der Region ausklingen lassen.

Saint-Émilion begeistert uns zum Abschluss mit seiner wunderschönen Altstadt hoch über der Dordogne und hervorragenden Weinen.

Aquitaniens wunderbare Vielseitigkeit wirkt noch lange nach!

 
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