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FRANKREICH: SUPERBES TRIO: ELSASS, LOTHRINGEN, CHAMPAGNE

VON DR. RAFAEL PREHSLER

 
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Eine Reise vom Elsass in die Champagne beginnt mit leuchtendem Rot und endet mit prickelndem Gold. Für das Rot sorgt das Straßburger Münster, dieses nie fertiggestellte und doch so vollendet schöne Bauwerk. Nachmittags, wenn die tiefe Sonne auf das Münster fällt, leuchtet der ungewöhnlich rötliche Vogesensandstein des Westwerks dramatisch auf. Auf dem Domplatz und in der geschäftigen Rue Mercière, die genau in der Achse der Kirche liegt, kehrt dann für einen Augenblick Ruhe ein: Passanten bleiben stehen, nehmen sich Zeit, lassen sich ganz auf das Spektakel der glühenden Fassade ein.


Für das Gold hingegen sorgt das, was der Benediktinermönch Dom Pérignon vor gut dreihundert Jahren als „trinkbare Sterne“ bezeichnet haben soll, der Champagner nämlich. Über die fantasievolle Preisgestaltung und wohl auch darüber, dass eine der weltberühmtesten Prestige-Cuvées heute seinen Namen trägt, hätte der Geistliche bestimmt gestaunt. Geschmeckt haben dürfte der Champagner aber schon immer!


Wer es bodenständiger mag, bleibt zunächst in Straßburg, sucht eine der unzähligen Winstubs auf, gustiert typischen Flammkuchen, salzigen Kougelhopf und Choucroute garnie. Letzteres am besten zu zweit, wird das Sauerkraut doch üppig mit Würsten und kräftig gesalzenem Fleisch garniert. 


Augenscheinlich macht sich der Einfluss des Nachbarlandes bemerkbar – nicht nur in der Küche. Straßburg ist seit jeher Heimat zweier Kulturen, ist, wie das ganze Elsass, Resultat einer ebenso bewegten wie wechselvollen Geschichte. Die alten Ressentiments und Feindseligkeiten sind glücklicherweise längst überwunden. Viele Straßburger sprechen Französisch und Deutsch und so war es nur folgerichtig, dass das architektonisch eindrucksvolle EU-Parlament als Symbol der Verständigung gerade hier seinen Sitz erhielt. 


Herz Straßburgs ist das alles überragende, gotische Münster, doch sorgen bereits die weltoffene Atmosphäre und die Herzlichkeit der Menschen für ein gelungenes Reiseerlebnis. Rund um die gut erhaltene Altstadt fließt das Flüsschen Ill, das zu einer gemütlichen Bootsfahrt einlädt. Historische Fachwerkhäuser und Kanäle prägen das pittoreske Viertel Petite France, in dem einst die Gerber ihre Arbeit verrichteten. 
Südlich von Straßburg führt die reizvolle Elsässer Weinstraße zur Haut-Koenigsbourg. Majestätisch thront diese zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufwendig rekonstruierte Festungsanlage über der weiten Rheinebene. Nicht fern liegt die Bilderbuchstadt Colmar. „Klein-Venedig“, Petite Venise, heißt das malerischste Viertel der Stadt, wo sich Fachwerkhäuschen in allen erdenklichen Farben entlang schmaler Kanäle aneinanderreihen. Auch Kunst allererster Güte hat Colmar zu bieten – im Musée Unterlinden erwartet Besucher der für seine Zeit revolutionäre Isenheimer Altar von Matthias Grünewald, in der Dominikanerkirche Schongauers Madonna im Rosenhag. 
Märchenhaft sind weiters die alten Weindörfer in Colmars unmittelbarer Umgebung. Mit ihren bunten Fachwerkhäusern, den blumengeschmückten Fenstern und den dekorativen Ladenschildern zählen Riquewihr, Eguisheim und Kaysersberg allesamt zu den fotogensten Ortschaften Frankreichs. Weiter westlich erheben sich die waldreichen Kämme der Vogesen, deren höchster Gipfel, der Grand Ballon, eine Höhe von 1.424 Metern erreicht. Auf der Panoramastraße, die durch das Mittelgebirge führt, bieten sich immer wieder fantastische Ausblicke auf die Landschaft.


Jenseits der Vogesen liegt das Land der Jeanne d’Arc, Lothringen. Unbedingt muss man nach Nancy, auf die Place Stanislas, die einen sofort einnimmt. Tatsächlich ist es schwer, sich eine gelungenere Platzgestaltung vorzustellen. Die einheitlichen Pavillons aus dem 18. Jahrhundert ergeben im Zusammenspiel mit den vergoldeten Ziergittern ein städtebauliches Ensemble von geradezu bestechender Harmonie. Einen Ruf hat Nancy aber auch als Zentrum des französischen Jugendstils. Die sogenannte École de Nancy machte sprichwörtlich Schule; heute erinnern noch stilechte Villen und Brasserien sowie Museen an Nancys große Zeit des Art Nouveau.
In Lothringens Hauptstadt Metz trifft Mittelalter auf Moderne. Die Kathedrale Saint-Étienne ist ein gotisches Juwel, ihr wahrer Schatz offenbart sich jedoch erst im Kircheninneren: Über 6.000 Quadratmeter an Buntglasfenstern – darunter jene von Marc Chagall – tauchen den Raum in magisches Licht. Den spannenden Kontrast dazu bildet die lokale Version des Centre Pompidou. Gewidmet ist das Gebäude mit seiner futuristisch anmutenden, geschwungenen Dachkonstruktion der zeitgenössischen Kunst.  


Es ist schwer zu glauben, dass sich inmitten all dieser wunderbaren Zeugnisse menschlicher Schöpfungskraft eine der größten Katastrophen der europäischen Geschichte ereignet hat. Doch gerade deshalb sollte man beim vielleicht einprägsamsten Erinnerungsort des Ersten Weltkriegs, dem Mémorial de Verdun, Halt machen, bevor man weiter in die Champagne fährt.
Die letzte Station dieser Reise und das historische Zentrum der Champagne ist die Stadt Reims. Hier wurden in der Kathedrale Notre-Dame jahrhundertelang die Könige Frankreichs gekrönt. Das Öl für die begleitende Salbung entstammte einer Heiligen Ampulle, die einst eine Taube, also der sinnbildliche Heilige Geist, höchstpersönlich für die Taufe Chlodwigs vorbeigebracht haben soll. Die Ampulle gibt es nicht mehr, aber die Krönungskirche ist dank der aufwendigen Restaurierungen nach den Zerstörungen des Ersten Weltkriegs nach wie vor unglaublich beeindruckend. Reich und überaus plastisch ist der Skulpturenschmuck an der Westfassade, bezaubernd die Figur des weltbekannten lächelnden Engels. 


Noch älter als die Kathedrale (und nur unmerklich kleiner) ist die etwas außerhalb des Stadtzentrums gelegene Basilika des Heiligen Remigius. Der imposante, bereits im 11. Jahrhundert begonnene Bau verbindet die wuchtigen, klaren Strukturen der Romanik mit frühgotischen Elementen. 


Südlich von Reims entsteht schließlich das prickelnde Gold: Auf den sanften Hügeln rund um das Schaumwein-Epizentrum Épernay gedeihen jene legendären Reben, die die Basis für den exquisiten Champagner bilden. Und so greift am Ende einer Reise durch das Elsass, Lothringen und die Champagne letztlich alles ineinander – die romantischen Fachwerkhäuser, die mächtigen Sakralbauten, die landschaftliche Ausgewogenheit und die Perlage auf der Zunge.

 
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