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ÄTHIOPIEN - TRADITION UND VIELFALT

ARTIKEL AUS RUNDUM REISEN (DER STANDARD)

 
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Lalibela, Georgskirche (C) Dipl. VW Osman Odabas Priester beim Meskal-Fest (C) Fredy Hess Fresken in einer Kirche in Gondar (C) Dipl. VW Osman Odabas Priester aus Lalibela (C) Dipl. VW Osman Odabas Dorze (C) Mag. Peter Brugger Konso (C) Mag. Peter Brugger Karo (C) Guenter Wronna Hamar (C) Guenter Wronna Mursi (C) Mag. Peter Brugger Mursi-Frauen mit Tellerlippenscheiben (C) Mag. Peter Brugger Pelikan am Chamosee (C) Mag. Peter Brugger Hammerkopf (C) Mag. Peter Brugger Dallol-Thermalgebiete in der Danakilwueste (C) Guenter Wronna Staendig taetiger Vulkan Erta Ale (C) Guenter Wronna Salzarbeiter (C) Guenter Wronna Felsenkirche in Lalibela (C) Guenter Wronna
 

Äthiopien zählt dank seiner überbordenden Vielfalt an Landschaftsformen und Ethnien zu den beeindruckendsten Reiseländern Afrikas.

Äthiopien, das neben Ägypten älteste Kulturland Afrikas, wurde bereits im 1. nachchristlichen Jahrhundert gegründet. Bereist man das abessinische Hochland und die Hauptstadt Addis Abeba, fällt ein Merkmal Äthiopiens besonders auf. Trotz der Nähe zur Arabischen Halbinsel, dem Entstehungs- und Kernraum des Islam, konnte sich in Äthiopien eine eigenständige christliche Kirche entfalten. Seit dem 4. Jahrhundert ist die Äthiopische Kirche auch die anerkannte Staatskirche, sie hat sich später erfolgreich den Angriffen des Islam entgegengestellt. Selbst unter dem Regime von Diktator Mengistu in den 70er- und 80er-Jahren konnte sich die Kirche als eine der Wurzeln der Kultur und nationalen Identität Äthiopiens behaupten.

Besonders eindrucksvoll sind Reisen im Hochland zur Zeit der großen christlichen Feste, ob Meskal (Kreuzerhöhung) im September, Hidar-Zion-Prozession (das höchste Marienfest) in Axum im November, Timkat (Taufe Jesu im Jordan) im Jänner, Kidane Meheret im Februar auf einer Insel im Tana-See oder die Hossana-(Palmsonntags)-Prozession.

Am Omo-Fluss
Aber Äthiopien präsentiert sich durchaus auch von einer anderen Seite. Außergewöhnliche Reisen führen uns weit hinunter in den Süden des Landes in die Stammesgebiete im Binnendelta des Omo-Flusses. Zunächst durch das Rift Valley und später teilweise auf Pisten folgen wir dem Lauf des Omo, der verschiedenste, einzigartige Landschaftsszenarien durchfließt, von afro-alpinen Wäldern über Regenwälder bis hin zu Savannen und Wüstenregionen.

Die Region erhielt erstmals die kollektive Aufmerksamkeit aufgrund der bedeutenden Fossilienfunde und wurde als Wiege der Menschheit bezeichnet. Obwohl die UNESCO bereits im Jahr 1980 den unteren Flusslauf des Omo zum Weltkulturerbe erklärte, ist nur wenigen bis heute bekannt, dass im Einzugsbereich des Omo eine große Zahl kleiner Stämme lebt. Ein Besuch bei ihnen gleicht einer Reise in die afrikanische Vergangenheit. Dorze, Konso, Bena, Mursi, Hamar heißen die tw. nur 500 Menschen zählenden Ethnien, die ihre eigene Sprache und Kultur pflegen. Ihre fremden Traditionen und Schönheitsmerkmale wie Tätowierungen, Körperbemalung, Ohrenpflöcke oder Lippenscheiben sind für jeden Besucher beeindruckend.

Die Menschen in der abgeschiedenen Wildnis des Omo leben in der animistischen Tradition ihrer Ahnen. Die Bauern im Norden (Dorze) sind Meister des Terrassenanbaus, im Süden bringt die Rinderzucht die einzelnen Stämme auch über Notzeiten und Trockenperioden. Zu den intensivsten Eindrücken zählen der Besuch von Hamar-Dörfern, einzelner kleinerer Stämme wie den Karo, direkt am Omo-Fluss, sowie des Dorze-Stammes in der Nähe von Arba Minch.

Unterwegs in der Danakil-Senke
Bis vor wenigen Jahren war die Danakil buchstäblich eine 'terra incognita'. Wegen seiner Bewohner wird der Nordteil auch als Afar-Dreieck bezeichnet. Die Afar, bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts wegen ihres Stolzes und ihrer Unregierbarkeit als gefährlich und feindlich eingestuft, gelten heute noch als ein faszinierendes exotisches Volk. Sie sind durch die lebensfeindliche Umwelt hier im Schnittunkt der großen Grabenbrüche Nordost-Afrikas geprägt. Im Afar-Dreieck stoßen drei Erdplatten aufeinander und machen es zu einer der tektonisch aktivsten Zonen der Erde. Vor etwa 30 Millionen Jahren stieß die Arabische Mikroplatte auf die nordöstliche Afrikanische Erdplatte. Zugleich entstand etwas weiter südlich des Great African Rift Valley (der Große Afrikanische Grabenbruch), in dessen Herz das Afar-Dreieck, eine hoch-vulkanische Zone, liegt. Den Besucher erwarten hier unter anderem der ständig tätige Vulkan Erta Ale, eindrucksvolle Salzseen und die farbenprächtigen Sinterterrassen von Dallol.

Die Danakil ist ein sehr unwirtlicher Ort, Sanddünen wechseln mit lockerer Vegetation und einzelnen Felsformationen. Sie ist scheinbar menschenleer. Eine Zeitreise ist der Besuch bei den Salzarbeitern, die mit urtümlichen Methoden unter unvorstellbaren Bedingungen Salzplatten gewinnen, die nach wie vor als Handelsgut in Teilen Afrikas im Umlauf sind. Nicht nur die Gewinnung ist traditionell-archaisch, auch der Transport ist es: Kamelkarawanen haben hier den Anfangs- und Endpunkt ihrer hunderte Kilometer langen Reisen.

Wegen der nahen Grenze zu Dschibuti trifft man hier zahlreiche Soldaten. Immer wieder wurden Touristen auf dem Weg zum Erta Ale zum Ziel von Überfällen. Die Soldaten sollen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Äthiopien ist abseits der Hauptroute ein Abenteuer, das den Reisenden verändert, so tief sind die Eindrücke, so groß sind die Anforderungen an Geist und Körper, so intensiv der Kontakt mit einer scheinbar völlig feindseligen Natur und den Menschen, die doch dort leben.

Was darüber hinaus bleibt, ist aus den üblichen Reiseberichten ablesbar: Kultur, die bis an den Beginn der Menschheit reicht, steinerne Zeugen des frühen Christentums und der damals noch erfolgreiche Glaube an Wunder, die Erinnerungen an eine glanzvolle Kaiserzeit und immer wieder an 'unseren' Karl Heinz Böhm, dem im ganzen Land Denkmäler und Straßen gewidmet sind.

 
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