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KALAHARI - DIE WüSTE BLüHT

VON CHRISTIAN KNEISSL

 
Starte Diaschau
 

Die nördliche Kapregion (‚Northern Cape’), die größte Provinz Südafrikas, wird gerne als der ‚wilde Westen’ Südafrikas bezeichnet.

Die Hauptstadt Kimberley ist zudem das Zentrum der Diamantenindustrie des Landes: 1867 wurden die ersten Diamanten in Kimberley entdeckt. Der Streit zwischen den Buren und den Briten um dieses Gebiet führte 1880 bis 1881 zum ersten Burenkrieg. Die Buren gewannen die entscheidende Schlacht um Transvaal und erreichten so die bedingte Unabhängigkeit Südafrikas.

1886 wurde der zweite wichtige Bodenschatz Südafrikas - das Gold - am Witwatersrand (rund um Johannesburg) entdeckt, was 1899 den zweiten Burenkrieg auslöste. In den verheerenden Burenkriegen starben über 70.000 Menschen. Die Buren wurden geschlagen und im Jahre 1910 verschmolzen die Republiken Transvaal und Oranje Free State sowie die britischen Kolonien Natal und Kap zur Südafrikanischen Union.

Kimberley: Big Hole
Höhepunkt in Kimberley ist das Mine Museum, ein Freilichtmuseum, das die Stadt um 1880 - zur Zeit des Diamantenrausches – zeigt. Man sieht die original nachgebauten Wohnhäuser der Diamantenschürfer, Geschäfte, Pubs, ein Ballhaus, Barnato's Boxing Akademie, das alte Farmhaus der DeBeers Familie und hat einen guten Blick auf das Big Hole. In der DeBeers Diamantenhalle wird der erste offiziell registrierte südafrikanische Diamant gezeigt. Big Hole, das größte von Menschen gegrabene Loch der Erde, ist 215 Meter tief und hat einen Umfang von 1,6 Kilometern. Insgesamt wurden im Big Hole mehr als 14,5 Millionen Karat (2.900 kg) Diamanten gefördert. Der Begriff Karat geht auf eine natürliche Maßeinheit zurück, den Samen (‚Carob’) des Johannisbrotbaums - ein Karat hat 0,2 Gramm. Der berühmteste Diamant der Kimberley Mine ist der 1878 mit einem Rohgewicht von 287,42 ct. geförderte, braungelbe Tiffany. Von der Juweliersfamilie Tiffany in New York erworben, wurde er in Paris mit 90 Facetten geschliffen und hat heute 128,51 ct. Im August 1914 wurden die Arbeiten beim Big Hole eingestellt.

Siedelwebervögel
Je weiter die Reise nach Nordwesten geht, desto trockener wird die Landschaft.

Auf unserem Weg in die Kalahari fallen besonders die Gemeinschaftsnester der Siedelwebervögel auf Leitungsmasten, aber auch auf den Kameldornbäumen auf. Meist brüten Hunderte der unscheinbaren, den Sperlingen ähnlichen Vögel in diesen Nestkolonien, die bis zu zwei Meter im Durchmesser und größer sein können.

Kalahari
Die Kalahari ist die größte naturräumliche Einheit im südlichen Afrika. Sie erstreckt sich von ihrem Zentrum in Botswana über die Grenzen hinweg nach Namibia, Südafrika, Simbabwe, im Norden bis nach Angola und Sambia hinein. Sie ist tektonisch ein Sedimentationsbecken, wohin sämtliche Flüsse dieser Region entwässern (u. a. der Okawango) oder entwässert haben (wie der Kunene, der in Namibia in das Etoscha-Becken - ein Randbecken der Kalahari – geflossen ist). Die Kalahari ist eine Trockensavanne mit niedriger Vegetation, aber keine Wüste!

Die Sandmassen, die durch Erosion weicher Gesteinsformationen entstanden, wurden vom Wind zu Dünen (‚Sand Ridges’) geformt, die für die Kalahari charakteristisch sind. Vor etwa 10.000 bis 20.000 Jahren wurden die Dünen durch Pflanzenwuchs befestigt - die Dünen wandern nicht, wie etwa in der Namib Wüste oder in der Sahara.

Kgalagadi Transfrontier Park
Trotz des ariden Klimas ist die Kalahari Lebensraum für zahlreiche Tierarten.

Nicht selten sieht man im riesigen, grenzüberschreitenden Kalahari Nationalpark große Herden von Gnus, die auf der Suche nach Wasser und Nahrung umherstreifen.

Im Gegensatz zu Spießböcken (Oryx-Antilopen) und Springböcken benötigen Gnus und Kuhantilopen regelmäßig Trinkwasser. Sie sind daher viel stärker von den Wasserquellen abhängig.

Der bereits 1931 zum Nationalpark erklärte - 9.590 qkm große - Kalahari Gemsbok Park im entlegenen Nordwesten Südafrikas wurde 1999 mit dem angrenzenden 26.400 qkm großen Gemsbok National Park in Botswana zusammengelegt und in Kgalagadi Transfrontier Park umbenannt. Die Grenze zwischen Südafrika und Botswana wird nur durch weiße Grenzsteine im trockenen Flussbett des Nossob markiert. So kann das Wild ungehindert durch beide Teile des Parks streifen. Wegen fehlender Infrastruktur im Südwesten Botswanas ist auch der botswanische Anteil des Kgalagadi Nationalparks nur von Südafrika aus erreichbar. Auf der südafrikanischen Seite des Nationalparks gibt es zwei wichtige Verkehrswege entlang der beiden – fast immer trockenen - Flusstäler Auob und Nossob sowie zwei Verbindungsstraßen über die bewachsenen Dünenkämme hinweg. Die Straßen sind nicht asphaltiert, aber gut befestigt, sodass man in den meisten Teilen des Nationalparks ohne Allrad auskommt. Entlang der Flusstäler wachsen große Kameldornbäume und Dornakazien, die sich in Zeiten mit größeren Niederschlagsmengen gut entwickeln konnten, heute aber vielfach abgestorben sind. Die Bäume besitzen ein weitverzweigtes, tiefreichendes Wurzelsystem, das ihnen ermöglicht, Trockenperioden von meist 10 Monaten oder mehr im Jahr zu überstehen und unter wüstenhaften Bedingungen heran zu wachsen. Während der heißen Tageszeit lassen sich Löwen, Geparden und Hyänen gerne im kühlenden Schatten der Bäume nieder. In ihren Kronen lassen sich zahlreiche Vogelarten beobachten.

An der Grenze zu Namibia verhindern Zäune die Wanderungen der Tiere, aber auch die Grenzstation zwischen Südafrika und Namibia, die während der südafrikanischen Herrschaft über Namibia Besuchern weite Umwege ersparte, ist seit vielen Jahren geschlossen.

Gut 50.000 Besucher nehmen jährlich die lange Anreise auf sich, um in dieser faszinierenden Landschaft die roten Dünen der Kalahari und die speziell an diese Trockensavanne angepasste Tierwelt zu erleben.

Von Zeit zu Zeit erblüht die Kalahari: Im Hochsommer stürzen ab und zu schwere Gewitter über die Steppe nieder - wenn die Sonne danach wieder durch die Wolken bricht, sieht man die buttergelben Blüten des Teufelsdorns, Vlei Lilien und die ergrünten Schwarzdorn-Büsche und Kameldornbäume. Tsama Melonen sind sehr gute Wasserspeicher, die vielen Tieren auch in langen Trockenperioden ein Überleben ermöglichen.

Löwen und Geparden
Meine eindrucksvollsten Erlebnisse im Kalahari Gemsbok Nationalpark hatte ich bei meinem ersten Besuch im Jänner 1993, als es im Auob-Tal zahlreiche Löwen zu beobachten gab. Alle 25 bis 30 km hatte sich ein Löwenrudel entlang des trockenen Flussbettes und damit auch entlang der Straße niedergelassen und war jeden Tag aufs neue wieder zu beobachten.

Mitte Februar 2002, als in einzelnen Abschnitten des Kgalagadi Nationalparks Millionen Blumen in der Sonne leuchteten, hatten zwei Gepardenmännchen gleich neben der Straße einen Springbock gerissen und mussten zuerst einmal – von der Jagd erschöpft -verschnaufen. Danach ging es ans Fressen, bis sie nicht mehr konnten. Da sich die Hörner des Springbocks in einer Wurzel verfangen hatten, konnten sie die Beute nicht – wie gewollt - unter einem Busch sicher verstecken. So mussten sie jedes Mal, wenn innerhalb der Stunden, die wir die Szene beobachteten und fotografierten, wieder ein anderes Fahrzeug beim Geparden’kill’ anhielt, wieder zu fressen beginnen, da sie um den Rest der Beute Angst hatten.

Augrabies Falls
Ca. 120 km westlich von Upington stürzen die Wasser des Orange River 60 Meter in die Tiefe. Um die gigantischen Wasserfälle und die 18 km lange Schlucht des Orange River mit ihren ausgewaschenen Felsplateaus und zerklüfteten Gesteinsformationen herum wurde ein Nationalpark errichtet. Klippschliefer sind entlang des Weges zum Wasserfall leicht zu beobachten, Klippspringer beleben den Nationalpark und Köcherbäume zeichnen ihre faszinierenden Silhouetten gegen den afrikanischen Himmel. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es im Augrabies Rest Camp in Cottages und Bungalows oder im nahegelegenen Kakamas.

Kuruman, das Tor zur Kalahari
Letzte Station auf unserer Reise durch die Kalahari war die ‚Oase der Kalahari’ – Kuruman, das auf dem Chaap-Plateau, mehr als 1100 Meter über dem Meeresspiegel liegt.

Im Zentrum der Siedlung befindet sich das berühmte "Eye of Kuruman", eine Quelle, aus der täglich 20 Millionen Liter Wasser hervorsprudeln – selbst in größten Trockenzeiten versiegt sie nicht.

Die 1801 entdeckte Quelle, die aus einer Dolomithöhle entspringt und in einen kristallklaren Teich strömt, führte 1826 zur Gründung einer Missionsstation durch Robert Moffatt von der Londoner Missionsgesellschaft. Die ursprünglichen Gebäude der Missionsstation, mit der Kirche und dem Haus Moffatts, wurden originalgetreu restauriert. Der schottische Missionar Moffat übersetzte als erster die Bibel ins Tswana und druckte sie auch selbst vor Ort. David Livingstone, der große schottische Entdeckungsreisende und Missionar, erreichte Kuruman Ende Juli 1841. In der Kirche von Kuruman, welche die berühmteste Missionsstation ganz Afrikas werden sollte, heiratete er Moffatts Tochter Mary. Von hier aus unternahm er seine ausgedehnten Forschungsreisen mit Ochsenkarren und zu Fuß, die ihn 1851 bis an den Sambesi brachten. 1855 entdeckte er die Viktoria Fälle, die seine Hoffnungen auf die Schiffbarkeit des Sambesi zunichte machten.

Heute ist Kuruman vor allem ein Versorgungszentrum am nördlichen Rand der Republik. Von Kuruman sind es ca. 550 km nach Johannesburg

 
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