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LOFOTEN - TRAUMLANDSCHAFT IM HOHEN NORDEN

VON MAG. PETER BRUGGER

 
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Die Lofoten, eine 190 km lange Inselkette zwischen dem 67. und 68. nördlichen Breitengrad, gehören zur nordnorwegischen Provinz Nordland. Die rund 80 Inseln, die man schon von weitem aus dem Meer aufragen sieht, bedecken eine Fläche von 1.277 qkm und werden von Svolvaer aus verwaltet.

Geologisch ist die Inselgruppe, die aus metamorphen Gesteinen besteht, zu den ältesten Teilen Europas zu zählen, wurden die ersten Gesteine doch bereits vor rund drei Milliarden Jahren gebildet. Hier, wo die Natur in ihrer spektakulärsten und unwahrscheinlichsten Form auftritt, scheinen Dinge, die anderswo gewöhnlich wirken, ins scheinbar Verrückte übersteigert - die Landschaft wird zur surrealistischen Fantasie. In der Schöpfungsgeschichte dieser Traumlandschaft gab es drei Eiszeiten und zwei interglaziale Perioden, während derer das Klima warm und angenehm war. Der Eisrand der letzten Eiszeit, die vor rund 70.000 Jahren einsetzte, trat vor etwa 10.000 Jahren seinen Rückzug an. Diese Zeit des ewigen Eises ging durch viele Legenden und Sagen in die nordische Mythologie ein. So gibt es etwa Erzählungen über eine Sintflut, die ausdrücken könnten, dass der Wasserspiegel ehemals um 250 m höher lag als heute. Verantwortlich dafür war ein bis zu 3.000 m mächtiger Eispanzer, dessen gigantisches Gewicht die Erdkruste zusammendrückte. Als dieses Eis abgeschmolzen war, begannen sich die Lofoten zu heben - in manchen Bereichen um bis zu 300 m. Dieses Auftauchen der Landmasse aus dem Meer kann man durchaus als Wiedergeburt bezeichnen, denn dieses Archipel, das zu den ältesten der Erde gehört, hat in den Jahrmillionen mehrfach den Kreislauf zwischen ‘Tod und Reinkarnation’ zurück gelegt.

Während der Eiszeiten fiel die Schneegrenze um bis zu 1.200 m, aus Schnee bildete sich Firn und anschließend Eis, das die Gipfel planierte, die Täler vertiefte und verbreiterte, Fjorde entstehen ließ. Heute sind es hauptsächlich die Niederschläge, die für eine Veränderung im Landschaftsbild sorgen. Wie dunkle Edelsteine sind über allen Höhenlagen des Archipels zahlreiche Gebirgsseen verstreut, die ebenfalls durch die Kraft der Gletscher entstanden sind. Manche von ihnen liegen isoliert in Karböden, andere fädeln sich in Tälern aneinander. Fast alle dieser Seen auf den Lofoten zeigen eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit, sie sind im Verhältnis zu ihrer Größe überdimensional tief, einige gehören sogar zu den tiefsten der Welt überhaupt. Die Lofotenseen gehören aber auch zu den klarsten, in denen man bis zu einer Tiefe von 25 m praktisch alles erkennen kann. Forscher konnten feststellen, dass sich am Grund dieser Seen noch Salzwasser befindet, konserviert in einer toten Welt und fossiles Überbleibsel aus jener Zeit, als das Land noch unter dem Meerwasser lag.

Der Name Lofoten (vom altschwedischen Wort lo = Luchs und vom altnorwegischen Wort futr = Fuß) bezeichnete ursprünglich nur die Insel Vestvagöy, ehe er auch auf die weiteren Inseln des Archipels übertragen wurde. Vor rund 4.500 Jahren dürfte sich das Erscheinungsbild der Inselkette grundlegend zu ändern begonnen haben, denn der Mensch drängte aufgrund der beginnenden Haustierhaltung den Wald, der ehemals alle Hänge bedeckte, zurück. Die Winter auf den Inseln sind lang, sodass die Menschen auch viel Feuerholz brauchten. Erst als um 1820 ein Großteil der Wälder verschwunden war, begann man mit dem Torfstechen. Auch zum Bauen der Häuser wurde Holz verwendet und besonders viel brauchte man auch für die übermannshohen Trockengerüste für die Stockfische ... Es wird angenommen, dass die ersten Menschen um rund 6.000 v.Chr. auf den Lofotinseln ankamen, wobei Wohnhöhlenfunde aber erst seit 3.000 v.Chr. nachweisbar sind. Eine der ersten ausführlichen schriftlichen Quellen ist ein Bericht des Wikingerhäuptlings Ottar aus dem Ende des 9. Jhdts. Er macht deutlich, dass der Norden selbst in einer Zeit, als das Hauptverkehrs- und Transportmittel das offene Boot war, keineswegs von der Umwelt abgeschnitten war.

Hört man heute vom Namen ‘Lofoten’, so muss man diese Traumlandschaft im Norden Europas auch mit der Küstenfischerei in Verbindung bringen, die der wichtigste Wirtschaftszweig dieser Inselgruppe war und auch heute noch ist. Da die Lofoter nicht sehr schreibfreudig gewesen waren, gibt es nur wenige schriftliche Quellen, die bis ins Mittelalter zurück reichen. Erst mit dem 12. Jhdt. wird die Geschichte klarer, denn spätestens seit dieser Zeit streckten die norwegischen Könige ihre Hände nach diesem Archipel aus, unterstellten es ihrer Herrschaft und gaben ihm auch das Christentum. König Öystein ließ im Jahr 1120 die erste Lofotkirche errichten und ordnete den Bau der ersten Rorbuer an, den Wohnstätten für Ruderer, um damit den von auswärts kommenden Fischern eine Wohnmöglichkeit während des Saisonfischfangs zu ermöglichen. Damit hatte die Lofotfischerei ihren Anfang genommen, von jetzt an herrschte rege Tätigkeit auf dem Archipel.

 
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